Ereignisse in Freiburg

In den Jahren 1967 bis 1969 durchlebte die Universität Freiburg turbulente Zeiten. Wie viele andere westdeutsche Universitäten befand sie sich im Umbruch. Studierende traten mit einem neuen Selbstbewusstsein auf, politisierten sich und wollten die Universität durch Machtverteilung und Herstellung von Öffentlichkeit demokratisieren. Damit einher ging auch ihr Streben nach einer gesellschaftlichen Liberalisierung.

In den folgenden Beiträgen werden exemplarisch einige Reformversuche und Protestereignisse in den „heißen“ Jahren 1968 und 1969 in Freiburg betrachtet. Zentrale „Protesträume“ waren dabei die Universität und der Bertoldsbrunnen. Mehrere Akteure und Gruppen rangen in teils hitzigen Auseinandersetzungen um ihre jeweilige zukünftige Vorstellung von Universität und Gesellschaft.

„Wenn der Stadtrat nicht pariert, wird hier weiter demonstriert“

Die Fahrpreisdemonstrationen im Februar 1968

Konflikte um Fahrpreiserhöhungen waren zwischen 1966 und den frühen achtziger Jahren weit verbreitet und traten in vielen Städten der Bundesrepublik auf. [1] In den meisten Fällen nahmen nicht nur radikale Aktivisten an den Protesten teil. Die Aktionen wurden vielmehr aus weiten Kreisen der Bevölkerung – einschließlich der Gewerkschaften und Jugendverbände – unterstützt. Im Januar 1968, wenige Wochen vor dem Beginn der Fahrpreiskämpfe in Freiburg, führten derartige Proteste in Bremen zu Ausschreitungen und Sachschäden. Wie bereits zuvor in Köln demonstrierten Jugendliche, vor allem Auszubildende und SchülerInnen, gegen die Fahrpreiserhöhungen der Bremer Straßenbahn AG. Mit ihrem Protest bewirkten sie eine Überprüfung und Reduzierung der Fahrpreise. Presseberichte über Erfolg und Gewalt der Bremer Straßenbahnunruhen förderten wiederum den Transfer dieser Protestform in andere bundesdeutsche Städte wie Köln, Berlin, Hannover, Kiel, Bochum und Freiburg. [2]

Die Freiburger Presse, die fast täglich über die Vorfälle in der Hansestadt berichtete, titelte am 31. Januar 1968: „Das große Versagen in Bremen – der Senat hat dem Druck der Straße nachgegeben“. [3] Mit tagelangen Sitzblockaden, Stinkbomben und Auseinandersetzungen mit der Polizei hatten Schülerinnen und Schüler, Studierende und Lehrlinge ein Vorbild geschaffen, das in Freiburg schnell aufgegriffen werden konnte.

Donnerstag, 1. Februar 1968. Um 13 Uhr blockierten etwa 2000 Menschen die damals stark befahrene Straßenkreuzung am Bertoldsbrunnen.

Freitag, 2. Februar 1968. Gegen Mittag versammelten sich wieder Demonstrierende am Bertoldsbrunnen und diskutierten mit den Stadträten Simon (links mit Hut) und Herre (daneben) über die geplanten Fahrpreiserhöhungen.

Am Dienstag, den 6. Februar 1968 wartete ab 17 Uhr eine große Menschenmenge vergeblich auf die Übertragung der Stadtratssitzung im Rathaus. Ohne erneute Abstimmung blieb das Gremium dabei, die Preise wie beschlossen zu erhöhen.

Mittwoch, den 7. Februar 1968. Am darauffolgenden Mittag fanden sich um die 3000 Menschen am Bertoldsbrunnen ein. Der fließende Verkehr konnte trotz des erstmaligen Einsatzes von Wasserwerfen und Göttinger Bereitschaftspolizisten nicht freigehalten werden.

Donnerstag, den 8. Februar 1968. Die Polizei, so schrieben die Studierenden in der Freiburger Studenten Zeitung, habe „den Demonstranten eine neue wirksame Technik beigebracht: beweglich bleiben, weglaufen, wiederkommen.“ [5] Ein Ende oder Ergebnis sei noch nicht in Sicht.

Freitag, 9. Februar 1968. Der bisherige Einsatzleiter Polizeirat Meyer wurde durch einen auswärtigen Kollegen ersetzt. Dieser konnte die Versammlung zwar nicht auflösen, gab jedoch ab 16 Uhr den Einsatz von Schlagstöcken frei. Am selben Abend fand eine Diskussionsveranstaltung im Haus der Jugend statt. Mitglieder des Stadtrates sagten zu, sich in einer Sitzung erneut über die Erhöhung der Tarife zu beraten. Bedingung war die Einstellung von Demonst-rationen.

Donnerstag, 15. Februar 1968. Während der Sonderstadtrats-sitzung im Kaufhaussaal verlasen Vertreterinnen und Vertreter des DGB, des AStA und der Schülerinnen und Schüler ihre Stellungnahmen. Nach fünf Stunden folgte der endgültige Beschluss, die Tarife – abgesehen von geringfügigen Konzessionen an Bedürftige – am 1.März 1968 zu erhöhen. Lediglich 30 Menschen setzten den Protest am folgenden Tag fort – der SDS verteilte Flugblätter, die zum Vietnamkongress nach West-Berlin einluden.

„Wir sind nicht machtlos!“

In Flugblättern rief am Donnerstag, den 1. Februar 1968 unter anderem die Aktionsgemeinschaft Freiburger Schüler zu Protesten am Bertoldsbrunnen auf:

„Sollen wir Schüler die Zeche zahlen?
Die Städtischen Verkehrsbetriebe haben versagt
[…]
Gerade wir brauchen die Straßenbahnen am nötigsten!
Gerade für uns sollten die Preise gesenkt werden!
In Bremen protestieren alle Schüler!
Die Fahrpreiserhöhung wird rückgängig gemacht!
Bremen hat uns gezeigt:
Wir sind nicht machtlos!“

Die Verfasser des Flugblatts legitimierten ihren Protest mit ihrer Betroffenheit durch die Fahrpreiserhöhungen. Der erfolgreiche Protest in Bremen ermutigte sie und war ihnen zugleich ein Vorbild. Er zeigte, dass Demonstrierende ihre Anliegen durchsetzen und etwas verändern können.

Die Protestaktionen am Bertoldsbrunnen wurden auch von Studierenden getragen: Sie begründeten ihre Aktion damit, die Interessen des benachteiligten Teils der Gesellschaft zu vertreten. In einem offenen Brief des Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) an den Oberbürgermeister Eugen Keidel vom 2. Februar 1968 betonte der Vorsitzende Siegfried de Witt, dass „die Öffentlichen Verkehrsbetriebe nicht allein unter Rentabilitätsgesichtspunkten zu betrachten“ seien. Diese dienten „vor allem einem sozialen Zweck“ und denjenigen, die finanziell auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen seien: „Eine Erhöhung der Fahrpreise würde also besonders die sozial Schwachen treffen. Daher lehnte der Allgemeine Studentenausschuss die Fahrpreiserhöhung ab“ [7]. Mit dem weiteren Verlauf der Demonstrationen wurden die ursprünglichen Motive und Ziele erweitert.

In einem an das Zeitungsformat angelehnten „Freiburger Extrablatt“ hielt der AStA die Positionen der Protestierenden fest:

„Ziel der Demonstration ist es, der politischen Führung unserer Stadt zu zeigen, daß es unmöglich ist, über die Köpfe der Bevölkerung hinweg Beschlüße zu fassen, durch die ohnehin schon sozial schwache Schichten – Arbeiter, Rentner, Schüler, Studenten – noch mehr benachteiligt werden. Dazu gehören auch Polizeibeamte. Wir vertreten durch unsere Forderungen auch deren Interessen. Daher wollen wir uns nicht mit der Polizei auseinandersetzen, sondern der politischen Führung, d.h. mit der Stadtverwaltung und dem Stadtrat. Daraus leitet sich die Form unserer Demonstration ab: Keine Provokation der Polizei, kein Widerstand. Gemessen an den Mitteln der Demonstranten ist der polizeiliche Einsatz unverhältnismässig.“ [8]

Der Polizeieinsatz während der Fahrpreisproteste verdeutliche eine „Schwäche der Staatsmacht: Sie weicht der politischen Auseinandersetzung aus“… Die Entfesselung der Gewalt gegenüber friedlichen Demonstranten geht vorbei an der inhaltlichen Motivation der Protestbewegung“ [9]. Der grundlegende Anspruch der Protestierenden war es, in die Gesellschaft zu wirken und sich gesellschaftlicher Unterstützung zu versichern. Doch waren nicht alle gesellschaftlichen Akteure und Gruppen, die den Protest unterstützten, mit dem Vorgehen der Demonstranten, durch kollektiven Regelverstoß ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, einverstanden. Der Betriebsrat der Rhodiaceta AG führte in einer Resolution am 9. Februar 1968 aus, dass die „Tariferhöhung falsch“ sei und zurückgewiesen werden müsse: „Demonstrationen werden von uns bejaht, sofern sie sich im Rahmen demokratischer Gepflogenheiten vollziehen“ und keine Einschränkungen für die Bevölkerung bedeuteten.“ [10] Zwar wurde die Motivation der Demonstrierenden vom Betriebsrat des größten Freiburger Betriebes geteilt. Die Aktionsform allerdings, den Verkehr zu unterbrechen, wurde abgelehnt.

Die Frage der Regelverletzung wurde im Fortgang der Proteste zwischen den beteiligten Akteuren weiter ausgehandelt. In einem nach dem Wasserwerfereinsatz (siehe Bericht über Wasserwerfereinsatz) verfassten Flugblatt hieß es: „Verstopfte Straßen – Wasserwerfer – Verhaftungen – Eingedrückte Fensterscheiben – Polizeiketten – Was ist los in Freiburg?“ Diese rhetorische Frage wurde zugleich beantwortet: „Teile der Bevölkerung treten für ihre Interessen ein“. Die Verfasser legitimierten ihr Vorgehen mit Artikel 20 des Grundgesetzes: „Inzwischen geht es nicht mehr nur um die Fahrpreiserhöhung, sondern vor allem um das Recht auf Demonstration.“ Die Reaktion des Stadtrates und der Einsatz der Polizei wurden kritisiert: „Gegenüber den Demonstranten soll die Polizei als Hüter von Ruhe und Ordnung erscheinen. Aber welche Ordnung ist es? Die Ordnung der 70 Pfennige!“ [11]

„Die Ordnung der 70 Pfennige“

Das polizeiliche Vorgehen war klar eingehegt. Die Landespolizeidirektion erlies Direktiven für den Einsatz am 8. Februar, der sicherstellen sollte, dass der Verkehr „in alle[n] Richtungen am Laufen [ge]halten werden“ würde. „Jede Ansammlung von Demonstranten auf der Fahrbahn ist schon im Entstehen zu verhindern. Demonstranten und Anführer sind sofort in polizeilichen Gewahrsam zu nehmen.“ [12] Die Polizei grenzte den Spielraum der Protestaktionen deutlich ein. Die Blockaden des Verkehrs waren von ihrer Seite aus nicht mit demokratischem Prozedere kompatibel. Oberbürgermeister Keidel sah sich dem Druck verschiedener Akteure und der medialen Öffentlichkeit ausgesetzt. Südbadische Vertreter der SPD aus Kreisrat und Kreisvorstand sowie Ortsvereinsvorsitzende führten in einer Stellungnahme nach den ersten beiden Protesttagen (siehe Chronologie der Protesttage) aus, dass sie sich „grundsätzlich zur Demonstrationsfreiheit“ bekennen würden. Man stelle

„aber auch in aller Deutlichkeit fest: Im Interesse der arbeitenden Menschen in Stadt und Land muß an die Schüler und Studenten appelliert werden, ihre Demonstrationen so durchzuführen, daß der öffentliche Verkehr nicht behindert oder gar gestört wird.“ [13]

Die Funktionäre der SPD waren nicht bereit, Unannehmlichkeiten, die aus der Protestpraxis resultierten, zu rechtfertigen. Die Gemeinderatsfraktion der CDU äußerte sich in einer Stellungnahme, die am 5.2. in der BZ abgedruckt wurde: man „bejah[e] das Demonstrationsrecht des Bürgers und das politische Engagement junger Menschen“, geradezu „[u]nerträglich“ sei jedoch, dass „Demonstrationen dieser Art die öffentliche Ordnung gefährdet [sei], das Wirtschaftsleben unserer Innenstadt lahmgelegt und die Beförderung“ von darauf angewiesenen Personen „unmöglich gemacht“ werde. Zudem wird der Vorwurf geäußert, dass der Oberbürgermeister und der Bürgermeister „dem Druck der Straße nachgegeben“ hätten, ein solcher „Mangel an Führungswille radikalen Strömungen Vorschub leist[e]“. Man sei bereit über „Sachargumente zu diskutieren“, wolle aber nicht „unter dem Druck der Straße sachfremde Entscheidungen […] treffen.“ [14]

Ähnlich argumentierte die Industrie- und Handelskammer Südbaden in einem Schreiben mit dem Titel „Aufruhr in der Innenstadt“ an den Oberbürgermeister. Man bejahe zwar grundsätzlich das Demonstrationsrecht „auch dann, wenn von diesem mit Energie und Beharrlichkeit Gebrauch gemacht wird. Gleichzeitig müssen wir eine Grenze aber dort ziehen, wo […] Freiheitsrechte anderer Bürger entscheidend verletzt oder […] wo die Demonstration zum Aufruhr wird“. In dem Schreiben an den Oberbürgermeister wird als „Ursache der Erregung in der Geschäftswelt […] die Lähmung der Funktionsfähigkeit der Innenstadt, der Eindruck, von den Ordnungskräften des Staates verlassen zu sein und die Sorge um die Folgen einer weiteren Auflösung der Öffentlichen Ordnung“ angeführt. Hier wird das Aussetzen des Bus- und Straßenbahnverkehr mit Aufruhr gleichgesetzt, derlei Aktionen aus dem Rahmen demokratischer Auseinandersetzung ausgeschlossen. Das Schreiben endet mit der Aufforderung: „Mit den Betrieben der Freiburger Innenstadt erwarten wir daher, dass umgehend die verfassungsmässige Ordnung wieder hergestellt wird.“ Falls „weitere massive Störungen“ vorhersehbar seien, solle der OB nach Ansicht der IHK „durch einen entschlossenen Einsatz aller staatlichen Mittel diejenigen […] belehren, die auch weiterhin glauben Willkür vor Recht setzen zu dürfen.“ [15] In einer Besprechung im Rathaus am 6. Februar, in der auch Arbeitnehmervertretungen anwesend waren, führte der Geschäftsführer der IHK, Dr. Schäfer zwei Tage zuvor dem Protokoll der Besprechung zufolge bereits diese Forderungen aus. Nach seiner Auffassung gehöre

„zum Wesen der Demokratie Ruhe und Ordnung […], zu deren Regelung es Gesetze gebe. Wenn aber eine anonyme Minderheit die Bürgerschaft terrorisiere, dann könne man dies nur als Anarchie bezeichnen, der das Gemeindeparlament – und an seiner Spitze der Herr Oberbürgermeister – entgegenzutreten habe.“ [16]

Der Oberbürgermeister wird von der IHK zum Handeln aufgefordet, der Protest semantisch abgewertet. Dabei operiert die IHK mit Demokratisierungsvorstellungen, der sich deutlich von den Vorstellungen der Protestierenden unterscheidet.

„Ein Schauplatz unwürdigen Treibens“?

Am 8. Februar verdichtete sich nicht nur die mediale Berichterstattung. Nicht zuletzt wegen dem Andauern der Demonstrationen richtete sich Oberbürgermeister Keidel mit einem Offenen Brief an die Freiburger Bevölkerung. Dieser wurde sowohl in der Badischen Zeitung abgedruckt, als auch als Plakate nach dem 10. Februar in den Öffentlichen Raum gehängt.

„Die Freiburger Polizei hat sich in den vergangenen Tagen bemüht, den wilden Demonstrationen mit aller nur    erdenkbaren Zurückhaltung zu begegnen. Die Demonstraten haben diese Rücksicht der Polizei mit Schwäche     verwechselt. Infolgedessen ist die Innenstadt Freiburgs schon seit Tagen ein Schauplatz unwürdigen Treibens.     Die Polizei muß ihren Auftrag, die Ordnung wiederherzustellen, nunmehr mit allem Nachdruck durchsetzen.“ [17]

Die Proteste werden von Keidel als Herausforderung wahrgenommen, die er auch semantisch herabwürdigt. Die Unterbrechung des Verkehrfluss wird von Keidel mit dem Verlust der Ordnung gleich gesetzt.

Auch die Polizei verfolgte von da an eine gewandelte Einsatzstrategie, die an einer härteren Gangart gegen Demonstrierende und Passanten richtete.

Die Protestierenden verließen in ihrem Vorgehen das bisher als Protest Erwartbare und Denkbare. Sie stießen damit Aushandlungsprozesse an, in denen sich die verschiedene Seiten demokratischer Bezugnahmen bedienten. Einen universalistischen Geltungsanspruch führten dabei die Protestierenden wie auch ihre Gegner an. Im Fortgang der Proteste verlagerte sich die Auseinandersetzung in institutionalisierteren Bahnen. Dass die von Seiten der Protestierenden stets kolportierte Gesprächsbereitschaft Resonanz fand, bedeutete zum einen ein Einlenken der „herausgeforderten Ordnung“. Zum anderen wurde das Anliegen aber auch eingehegt, was die Unterbrechung der Proteste bis zur Sondersitzung des Gemeinderats am 15. Februar verdeutlichte. Dieses „Freiburger Stillhalteabkommen“ wurde bei der der Diskussionsveranstaltung im Haus der Jugend mit 1500 Gästen am 9. Februar ausgehandelt.

Die Auseinandersetzung um die Tariferhöhung gilt, was das öffentliche Protestgeschehen betrifft, als Freiburger Siedepunkt von „1968“. Hier spiegeln sich in lokaler Unmittelbarkeit die an die Forderungen nach Demokratisierung und Partizipation gebundenen Vorstellungen der Protestierenden wie auch die enge Rahmung des Protests durch das Begriffspaar „Recht und Ordnung“. In der lokalen Auseinandersetzung tritt damit auch der gesellschaftspolitische Veränderungsanspruch hervor – allerdings auch die Zurückweisung aus Teilen der Gesellschaft.

von Kassandra Hammel und Kevin Sprauer

Quellen Fahrpreisdemonstrationen
[1] Sedlmaier, Alexander, Konsum und Gewalt. Radikaler Protest in der Bundesrepublik, Berlin 2018, S. 208.

[2] Vgl. Sedlmaier, Konsum und Gewalt, S. 215.[3] Badische Volkszeitung v. 31.01.1968, in: Archiv Soziale Bewegungen & Stadtarchiv Freiburg (Hg.), Gleich wird’s grün. Freiburger Fahrpreiskämpfe 1968 (= Materialien zur Protestgeschichte 2), CD-ROM, Freiburg i. Br. 2003, Dokument 11206.[4] Archiv Soziale Bewegungen, Gleich wird’s grün, Dokument 11109.[5] o. A., „Die Masse ist nicht machtlos. Protestaktionen gegen die Fahrpreiserhöhung“, in: Freiburger Studenten Zeitung 2 (1968), S. 28.[6] Archiv Soziale Bewegungen Freiburg (ASB): 5.3.4.1.I – Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[7] ASB 5.3.4.1.II: Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[8] ASB: 5.3.4.1.I – Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[9] Ebd.[10] ASB 5.3.4.1.VI: Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[11] ASB: 5.3.4.1 I: Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[12] ASB 5.3.4.1.V: Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[13] ASB 5.3.4.1.VI: Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv[14] ASB 5.3.4.1.IX: Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[15] ASB 9093 ASB 5.3.4.1.VI – Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[16] ASB 5.3.4.1.IX – Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.[17] ASB 11309 ASB 5.3.4.1.IX – Studenten-Bewegung: Hans-Köhler-Archiv.

Der Studienausschuss Soziologie

Was ist der Studierendenausschuss?

„Der Studienausschuss wurde in der Absicht gegründet, den Kontakt und Informationsaustausch zwischen Dozenten, Assistenten und Studierenden zu verbessern, durch gemeinsame Beratung die Studienreform im Fach Soziologie zu fördern, die Mitbestimmungsrechte der Studierenden im Sinne der Demokratisierung der Universität zu vermehren“.

Ordnung des Studienausschusses Soziologie, UAF B151/25, Freiburg, SoSe 1967

In dieser Vorbemerkung der Satzung des Studienausschusses Soziologie aus dem Jahre 1968 ist sein Zweck gut zusammengefasst: Es geht um Demokratisierung und Mitbestimmung an der Universität, speziell am Soziologischen Institut. Vertreter*innen aller Statusgruppen sind im Studienausschuss (StA) stimmberechtigt vertreten. Zu dieser Zeit waren dies – neben dem Ordinarius Heinrich Popitz – die beiden Gruppen der Student*innen und der Assistent*innen. Die Gruppen wählten Vertreter*innen und diese wiederum je eine*n Sprecher*in. Die Student*innen unterteilten sich – da ihnen je unterschiedliche Interessen und Erfahrungen zugeschrieben wurden – nochmals in Hauptfachsoziolog*innen in den ersten zwei Semestern, solche aus höheren Semestern, in Nebenfachsoziolog*innen/ Ökonom*innen sowie in Psycholog*innen mit Wahlfach Soziologie mit je unterschiedlich vielen Sitzen. Darüber hinaus entsandte auch die Fachschaft zwei Vertreter*innen. Insgesamt umfasste der Ausschuss 23 studentische Mitglieder, alle Assistent*innen – zur Gründungszeit vier – und den Ordinarius Heinrich Popitz.

Inhaltlich konnte der StA zu quasi allen Angelegenheiten des Instituts für Soziologie Stellung nehmen. Eine große Besonderheit dieses StAs war, dass er ein Beschlussrecht zu studienrelevanten Angelegenheiten hatte. Einzig Finanz- und Personalentscheidungen blieben ausgenommen. Als beschlossen galt, was mit doppelter Mehrheit beschlossen wurde, d.h. mit Mehrheit der anwesenden Dozent*innen/Assistent*innen und der Mehrheit der anwesenden Student*innen.

Die Sitzungen des StA waren öffentlich, sie wurden am schwarzen Brett angekündigt und es bestand die Pflicht, Themen zu behandeln, wenn sie von einer Mehrheit der Mitglieder beschlossen wurde.

Eingeführt wurde der StA vermutlich auf Initiative von Heinrich Popitz. Damit folgte er zwar einer Empfehlung des bevorstehenden Landeshochschulgesetzes, das eine Studienkommission vorsah, ging in Sachen studentischer Mitbestimmung jedoch über dieses hinaus. Der StA tagte ab etwa Mitte 1967 informell, gab sich aber schnell eine Satzung, um mit der konkreten Ausgestaltung ein Vorbild an der Universität zu sein. Von den diskutierten möglichen Geschäftsordnungen wurde jene gewählt, welche den StA mit den meisten Beschlussrechten ausstattete.

Studentische Vertreter*innen des Studienausschusses: keine Einheitsfront

Die Vertreter*innen der Studierenden im Studienausschuss hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, was Demokratisierung von Universität und Gesellschaft heißen und wie sie auf welchen Wegen erreicht werden könne. Man kann eine radikale, SDS und Basisgruppen nahestehende Fraktion von einer eher reformerisch gesinnten unterscheiden.

SDS/Basisgruppe/Fachschaft

Die Basisgruppen waren fachbezogene Gruppierungen des SDS, deren Ziel es war, Student*innen im Kampf gegen Herrschaft und Kapitalismus zu mobilisieren. Die Basisgruppe und die Fachschaft Soziologie hatten eine große personelle und inhaltliche Überschneidung. Flugblätter waren fast ausschließlich mit „Fachschaft/Basisgruppe Soziologie“ unterschrieben. Für den Freiburger SDS war unter dem Schlagwort Demokratisierung die Trennlinie zwischen Herrschenden und Beherrschten eine zentrale Frage. Student*innen zählten zur Gruppe der Beherrschten, während Ordinarien als die Herrschenden nicht nur über Finanz- und Personalmittel der Institute, sondern auch über die Vergabe von Leistungsnachweisen verfügten. Die Demokratisierungsforderungen des SDS bezogen sich nicht nur auf inneruniversitäre Belange wie Gremienbesetzung, sondern auch auf die Zusammenhänge zwischen Universität und Gesellschaft und bestanden aus Kritik an autoritären Verhältnissen. Das Ziel der politischen Arbeit der Basisgruppe war es, die Verhältnisse so zu verändern, dass sich die Produkte dieser Verhältnisse – im Falle der Universität: unkritische Student*innen und ökonomisch verwertbare Wissenschaft – wieder gegen repressive Maßnahmen des spätkapitalistischen Systems mobilisieren lassen würden. Der StA war ihnen dabei Mittel zum Zweck, stellte aber nicht das Endziel von Demokratisierung dar.

Doch keineswegs alle studentischen Vertreter*innen im StA vertraten die Positionen von SDS und Basisgruppe. Trutz von Trotha, damals studentisches Mitglied im Studienausschuss, machte eine klare Trennung zwischen Politik an der Hochschule und den Protesten gegen allgemeinpolitische Maßnahmen wie den Notstandsgesetzen. Er betonte, dass die Beschlüsse des StA eine „Erweiterung […] einer durchaus sozialistisch zu verstehenden Freiheit zum Inhalt haben“ [2]. Er vertrat einen freiheitlichen Sozialismus und warf der Basisgruppe Aktionismus vor. Neben einer eher radikalen gab es also eine reformerische Fraktion, die eine Durchsetzung weitergehender politischer Ziele weniger vehement einforderte. Auch der Student Hubert Treiber sah sich klar als Reformer. Er wollte im StA die Möglichkeit nutzen, gemeinsam mit den Professor*innen für mehr Lernfreiheit einzutreten und ihn zu einem Ort der demokratischen Auseinandersetzung machen.

Einen Einblick in die Positionen der Assistent*innen – es gab auch eine Assistentin* – geben Flugblätter, in denen sie zumeist auf Ereignisse aus dem StA oder Flugblätter der Basisgruppe reagierten. So bezog Erhard Blankenburg Stellung zum Thema Demokratie und Demokratisierung. Ihm erschien die Universität als ein vergleichsweise herrschaftsfreier Raum. Er kritisierte die Einteilung der Basisgruppe in Unterdrücker*innen und Unterdrückte, da durch den Wissensvorsprung der Lehrenden immer eine gewisse Machtposition im Kontext der Universität vorhanden sei. Doch auch unter den Assistent*innen gab es radikalere Positionen. So träumte Siegrist von einer intellektuellen Kaderbildung infolge seiner Seminare und verschrieb sich revolutionären Zielen, die denen des SDS ähnelten und die Hochschule als Mittel zum Zweck einer radikalen Gesellschaftsumwälzung begriffen.

Heinrich Popitz definierte in einem Flugblatt „Demokratisierung als zunehmende Durchsetzung der Teilnahme aller an den Entscheidungen, die sie betreffen“[3]. Seine Forderung nach Demokratisierung speiste sich aus dem Misstrauen gegenüber Macht und dem Umgang des Menschen mit Macht. Ein Mehr an Teilnahme bedeute, Machtbefugnisse zu teilen und zu kontrollieren. Die Mündigkeit des Menschen vorausgesetzt sollten diejenigen, die zuvor Entscheidungsobjekte waren, zu Entscheidungssubjekten werden und Entscheidungsbefugnisse bekommen. Diese Erwartungen hielt er letztlich aber nicht für realistisch, genauso wenig wie die komplette Abschaffung von Herrschaft. Auf eine genauere Definition dessen, was Demokratisierung an der Universität Freiburg heißen kann, legte er sich nicht fest.

Chronologie des Studienausschusses

Ab 1967

  • erste informelle Sitzungen, genauer Beginn unklar
  • Juli: erstes erhaltenes Protokoll des StA; Themen waren u.a. Vorlesungskritik, nächstes Semesterprogramm, etwaige Einführung einer Statistik-Übung, Zwänge im Studium
  • Ziel der Sitzungen im Jahr 1967 war vor allem die Erstellung einer Satzung und die Durchführung der Wahl für das kommende Jahr

1968

  • Februar: erste offizielle Sitzung Themen waren u.a. Zwänge im Studium, Studienreform, Neustrukturierung des Studiums bzgl. Aufbau, Belastung, Ziele, Berufsvorbereitung; außerdem wurde die Behandlung gesellschaftlicher Probleme im Studium angeregt
  • Mai: erstmals Beschwerde der Fachschaft über zu wenig Sitze im StA. Erste Ideen für freiere Studiengestaltung als Ausgangspunkt der freien Arbeitsgruppen. Diskussion über Problem der Rückbindung des StA an alle Student*innen
  • November: erste Konflikte um Einführung eines Freisemesters für Studierende
  • Kompromissvorschlag: Annahme Popitz‘: ein Semester lang parallel zum üblichen Angebot auch freie Arbeitsgruppen, in denen die Student*innen selbst über Inhalt und Arbeitsweise entscheiden
  • Kritik von Seiten Fachschaft/ SDS-Basisgruppe: Arbeitsgruppen seien so nicht frei, da immer noch Leistungsdruck bestehe

1969

  • Studentische Forderungen nach mehr Beschlussfassungskompetenzen des StAs und damit mehr Mitbestimmung der Studierenden (vor allem hinsichtlich der Einstellung von Tutor*innen) werden laut
  • Januar: Beschluss, ab Wintersemester Klausuren nur noch als fakultative Selbstüberprüfung der Studierenden durchzuführen, gefolgt von SDS-Antrag mit Ablehnung von Popitz‘ weniger weitreichendem Vorschlag. Zuspitzung des Streits um die freien Arbeitsgruppen: vor allem Basisgruppe vs. Popitz; der Konflikt wird auch via Flugblätter ausgetragen.
  • April: sehr kritischer Bericht der Basisgruppe in der Freiburger Studentenzeitung; Popitz fordert Distanzierung des StA von dem Artikel
  • Eklat nach Weigerung der Arbeitsgruppen im StA zu berichten, Lösung: Arbeitsgruppen berichten vor studentischer Vollversammlung
  • ab dann gefestigte Meinung der Basisgruppe: StA diene nur als Verschleierungsinstrument von Popitz‘ autoritärer Herrschaft am Institut
  • Wintersemester 1969/70: Keine Sitzungen. Haben die studentischen Vertreter*innen ihr Mandat niedergelegt, wie in den Politikwissenschaften geschehen?

1970

Massiver Streit um Scheinvergabe für Referate

Vorgeschichte: Popitz hatte Leistung für zwei Referate nicht anerkennt, weil er deren Niveau für nicht angemessen hielt

Beschluss: Teilnehmer*innen entscheiden zusammen mit Übungsleiter*in, wer einen Schein bekommt

Popitz erklärt diesen Beschluss für nichtig

1971

22. Januar: letztes erhaltenes Protokoll, darin kein Verweis auf Ende des StA, aber auch nicht auf anstehende Neuwahlen für 1971

Demokratisierende Auseinandersetzungen

Arbeitsgruppen und Freisemester

Die Idee der freien Arbeitsgruppen entstand anscheinend bereits am 21. Juni 1968 mit dem Vorschlag des Studenten Ekkehard Werner. Die Semesterferien sollten genutzt werden, um die Belastung während des Semesters zu senken und dadurch Engagement außerhalb des Studiums sowie Arbeitsgruppen zu ermöglichen: „Intensivierung der Gruppenarbeit, Förderung von Spontaneität, Selbstständigkeit und politischem Verständnis, Aktualisierung des Lehrstoffes, Vergrößerung des Angebots, evtl. Entlastung des Lehrbetriebs“ [4]. Dies passte zur Idee des SDS, die Student*innen zu mündigen Individuen zu machen, die sich politisch aktiv betätigen. Bereits hier wird darüber diskutiert, für diesen Zweck ein Semester lang den herkömmlichen Lehrbetrieb ganz einzustellen. Am 12. Juli 1968 legt Popitz zunächst die Beschlussvorlage zur Bildung von freien Arbeitsgruppen vor:

„Der Studienausschuss beschließt, die Bildung studentischer Arbeitskreise in den Semesterferien und während des Semesters in- und außerhalb des Instituts zu fördern:

  1. durch Verteilung von Listen in den Übungen, in die sich Interessenten eintragen können;
  2. durch Anschlag am schwarzen Brett
  3. durch mündliche Aufforderung in der Vorlesung und in den Übungen.

Die Themenstellung ist Sache der Arbeitsgruppen.“ [5]

Im Wintersemester 1968/69 kam das Thema Freisemester erneut auf. Durch das Freisemester sollte „repressivem Lernzwang“ begegnet werden, da den Student*innen Lernstoff und Lernkontrolle zu sehr vorgegeben seien. Der resultierende Zwang sei zwar von den Dozenten nicht beabsichtigt, faktisch durch Sozialisation in autoritären Verhältnissen jedoch gegeben. Dem gegenüber wollten die Assistenten gemeinsam mit Popitz erst einmal mit den freien Arbeitsgruppen experimentieren und dafür kein Freisemester einrichten. Außerdem war Popitz der Auffassung, dass ein Großteil der Student*innen die Einrichtung eines Freisemesters gar nicht wollte. Die Argumentation von SDS/ Basisgruppe, dass diese nur wegen ihrer Sozialisation so empfänden, bezeichnete er als „elitären Zwang“. Hier prallten zwei Vorstellungen über die Möglichkeiten von Individuen frei zu entscheiden aufeinander. Die Basisgruppe war der Ansicht, dass Student*innen (durch Demokratisierungsprozesse) zu freier Entscheidung erst befähigt werden müssten, Popitz hingegen, dass dies schon der Fall sei.

Ähnlich verlief die Argumentation in der Frage der frontalen Vorlesungen. Diese würden die Student*innen zu bloßen Rezipient*innen der durch eine Lehrperson autoritär bestimmten Inhalte machen, eigene Auseinandersetzung würde nicht angeregt. So argumentiert ein Flugblatt: „Die Individuen werden daran gewöhnt, daß andere für sie die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit herstellen und sie mit einem Stoff füttern, zu dem sie eine lose oder keine Beziehung haben“ [6]. Dem wird entgegengehalten, dass Vorlesungen gute Überblicke gäben.

Die freien eingeführten Arbeitsgruppen arbeiteten folgendermaßen: Den Arbeitsgruppen waren Assistent*innen als Helfer*innen zur Seite gestellt. Ihre Themen wählen die Arbeitsgruppen selbst, zugelassen zum Scheinerwerb waren zunächst nur Hauptfachsoziolog*innen ab dem zweiten Semester. Abschließend berichteten sie dem Studienausschuss über Probleme und Ergebnisse. Der SDS kritisierte auch diesen Vorschlag, da die Student*innen durch die proklamierte Wahlfreiheit nur ihre autoritären Gewohnheiten reproduzierten. Sie erlägen weiterhin ihren internalisierten Zwangsmechanismen und wählten anstatt der Arbeitsgruppen die bequemere Variante der herkömmlichen Übungen.

Die Frage nach der Scheinvergabe in den freien Arbeitsgruppen gestaltete sich schwierig. Zwar wurden nach ausführlicher Diskussion (Sitzung 14. Februar 1969) noch für Nebenfachsoziolog*innen die Möglichkeit, Scheine in den Arbeitsgruppen zu erhalten, eingeführt, allerdings gab es Unsicherheit hinsichtlich der Frage der Anerkennung beim Prüfungsamt.

Da die Frage des Freisemesters nicht Teil von Popitz‘ Vorschlag war, reagierte die Basisgruppe nun völlig unzufrieden auf die Arbeitsgruppen. Die Meinungen, wie damit umzugehen sei, gingen weit auseinander. Student Gerd Wiese hielt eine Institutsbesetzung für die einzig angemessene Reaktion, während andere vorschlugen, subversiv einfach fiktive Noten auf die Scheine zu schreiben.

Die Basisgruppe sah mittlerweile die Idee der Arbeitsgruppen nur noch als Instrument, Student*innen Beteiligung vorzutäuschen und die wahren Machtverhältnisse – d.h. Popitz als Alleinherrscher, der auch die freien Arbeitsgruppen mit den Scheinen kontrollieren könne – zu verschleiern. Die Studenten Haynmüller, Krieger, Theweleit und Wiese unterstellten diesem in einem Artikel der Freiburger Studentenzeitung, dass er das Freisemester nicht einrichten wolle, damit seine Autorität nicht von den Student*innen angegriffen würde. Popitz antwortete darauf, dass ihm aufgrund der äußeren Umstände, d.h. den institutionellen Bestimmungen zur Vergabe von Leistungsnachweisen, nichts anderes übrigbliebe und er schon so viel Macht wie nur möglich abgebe.

Währenddessen arbeiteten die freien Arbeitsgruppen zu Themen wie z.B. Sozialisation, Emanzipation und Erziehung, Betriebe/ Lehrlinge etc. und verfolgten dabei das Konzept, ihr theoretisches Wissen auch praktisch umzusetzen. Dabei verloren sie sich wohl häufig in Diskussionen, die von einzelnen Mitgliedern der Basisgruppe monopolisiert wurden. Dies machte das Lernen nicht so frei, wie ursprünglich intendiert. In einem Flugblatt kritisierte Gerd Spittler, dass in den Arbeitsgruppen nur die richtige Gesinnung unter Verwendung entsprechender Begrifflichkeiten unter Beweis gestellt werden müsse; echte wissenschaftliche Auseinandersetzung finde nicht mehr statt. Es scheint, als hätte die Basisgruppe relativ autoritär agiert. Mit einer Stellungnahme (9.5.1969) sprach sich der StA gegen politische Ideologie in den Arbeitsgruppen aus.

Einige Arbeitsgruppen lehnten es daraufhin ab, anstatt wie zuvor beschlossen, im StA von ihren Ergebnissen zu berichten (Sitzung 6. Juni 1969). Sie begründeten dies zum einen damit, dass die Vertreter*innen im StA nicht abwählbare und damit unkontrollierbare ‚Funktionäre‘ seien. Zum anderen seien sie mangels Einblick gar nicht dazu in der Lage, die Arbeit der freien Arbeitsgruppen zu beurteilen. Es falle nicht unter die Aufgaben des StA, Beschlüsse zu fällen, die die freien Arbeitsgruppen beträfen.

Bezüglich der Anerkennung von Leistungsnachweisen für das WS 1969/70 kam es zu Beginn des Sommersemesters 1970 schließlich zu einem Konflikt mit Popitz. Dieser hatte zwei Arbeitsberichte aus den freien Arbeitsgruppen nicht akzeptiert und keinen Schein ausgestellt. Mit drastischer Wortwahl – er sprach von „‚Verdummungsprozess“ – bezeichnete er die nicht akzeptierten Berichte als „kritikloses, autoritätsgläubiges Aneinanderreihen von Zitaten“ [7].

Hatten die Arbeitsgruppen ihr Ziel, mündige Individuen hervorzubringen, also nicht erreicht? Machte Popitz nun doch von seiner Machtposition gebrauch? Gegen den Willen von Popitz beschloss der StA, dass die Übungsleiter die Entscheidung über die Scheinvergabe gemeinsam mit den Teilnehmer*innen treffen sollten. Popitz bezeichnet den Vorschlag als „pure Menschenverachtung“ und lässt zu Protokoll geben: „Ich erkläre diese Abstimmung für gegenstandslos“ [7].

Die Auseinandersetzung um den Studienausschuss
Kritik von SDS und Fachschaft/Basisgruppen und die Reaktionen darauf

Die Kommission zur Institutionalisierung des Studienausschusses schreibt 1967: „Denn erst erweiterte und gesicherte Rechte werden ein stärkeres Interesse und damit eine festere Legitimationsbasis schaffen“ [8].

Reibungspunkte gab es trotz Satzung und gemeinsamem Demokratisierungswillen: So wurden der Mangel an Transparenz, die fehlende Beteiligung von Nebenfachstudierenden, die Nichtdurchsetzung der Beschlüsse sowie von der Basisgruppe/Fachschaft ihre Unterrepräsentation im StA kritisiert. Zwar konnten immer wieder zumindest kurzfristige Lösungen gefunden werden, doch die Kritikpunkt flackerten stets wieder auf.

Transparenz wurde mehrfach eingefordert. So wurde der Beschluss aus dem Protokoll der Sitzung vom 8. November 1968: „Die Mitglieder des Studienausschusses verpflichten sich, die Ergebnisse der Besprechungen des Studienausschusses in den Übungen weiterzugeben“ [9] vom Studenten Ekkehard Werner sogleich als Selbstverständlichkeit kritisiert. Auch appellierte die Fachschaft/ Basisgruppe per Antrag bereits im Dezember, sich an die Beschlüsse des StAs zu halten und bei der Besetzung der Übungen im Sommersemester 1969 mitreden zu dürfen. Vehement wurde Mitbestimmung dort eingefordert, wo es um die konkrete Ausgestaltung von Form und Inhalt der Lehre ging.

Aktionen von SDS/Basisgruppe
Schärfer und personenbezogen kritisierten SDS und Fachschaft/Basisgruppe Soziologie die Wirksamkeit des StAs in Flugblättern und dem Artikel der Freiburger Studentenzeitung. So versuche der Assistent Oswald die Studierenden aus Beschlüssen herauszuhalten und unterstütze die freien Arbeitsgruppen nicht wirklich. Popitz wurde mangelnde Bereitschaft zum Handeln vorgeworfen. Seine Macht sei nicht mehr sichtbar, weil er sich hinter den Studienausschuss zurückgezogen habe. Popitz entscheide, wer Scheine erhält, wer eingestellt wird, was in Vorlesungen inhaltlich passiert. Es bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Studierenden und dem Ordinarius. Auch die gewählten studentischen Mitglieder und damit die Legitimität des StAs wurden angegriffen. Sie würden Popitz vergöttern, andererseits seien sie arrogant und setzten sich nicht aktiv mit der Gesellschaft auseinander.

Reaktionen von Popitz und dem Studienausschuss
Popitz wirft der Basisgruppe vor, autoritär, aktionistisch, stur und kurzsichtig zu sein und wehrt sich gegen den Vorwurf, Entscheidungen alleine zu treffen. Er selbst habe das Recht der freien Arbeitsgruppen auf eigenständige Scheinvergabe beantragt und lediglich verteidigt, dass er die Scheine nun mal unterschreiben müsse, damit sie gültig sind. Seine Hände seien durch die institutionellen Rahmenbedingungen gebunden. Dass er damit aber tatsächlich eine Kontrollfunktion einnahm, thematisierte er nicht.

Gegen den FSZ-Artikel wehrte sich der Studienausschuss, indem er die meisten Aussagen des Artikels als Angriff zurückwies und die Fähigkeit zum eigenständigen Entscheiden betonte. Er betonte die Mitbestimmungsmöglichkeiten und die studentischen Erfolge, wie z.B. die Einrichtung freier Arbeitsgruppen (Sitzung 29. November 1968). Den Angriff der Basisgruppe sieht er darin begründet, dass die Zustimmung anderer Studierender zu ihren Forderungen schwinde. Der soziologische StA müsse eine Vorreiterrolle für die Demokratisierung der Universität einnehmen. Der Student Trutz von Trotha vergleicht den Kampf um den Studienausschuss gar mit dem gegen die Notstandsgesetze. Er stelle für ihn keine Einschränkung, sondern eine Erweiterung der Freiheit dar. Auch verurteilt er den Angriff auf Popitz als Person.

Die Fachschaft/Basisgruppe Soziologie wandte sich Ende 1968 vom StA ab und sah in ihm ein für Demokratisierungsbestrebungen ungeeignetes Instrument. Sie forderte, den Lehrbetrieb für ein Freisemester auszusetzen, um in dieser Zeit über gesellschaftliche Problemlagen zu diskutieren und aktiv werden zu können sowie nach diesem Semester einen Institutsrat einzuführen. Als institutioneller Teil des Kampfes gegen die Ordinarienuniversität hätte der StA ursprünglich dazu dienen sollen, Herrschaftsverhältnisse am Institut aufzuzeigen, tatsächlich aber stütze er diese.

Das Ende des Studienausschusses

Über das Ende des Studienausschusses zu Beginn der 1970er Jahre lässt sich nur spekulieren. Aus Flugblättern von 1971 wird ersichtlich, dass Fachschaftsvertreter*innen nach einem Beschluss einer Institutsvollversammlung an einer Übungsleiter*innenbesprechung teilnehmen konnten, was sie aber aus Protest gegen die stärkere Regulierung des Studiums ablehnten. Vermutlich existierte zu diesem Zeitpunkt der StA, der sonst Beschlüsse solcher Art gefasst hätte, nicht mehr. Vermutlich war es der Konflikt mit der Fachschaft/Basisgruppen, die ihre Mitarbeit aufkündigte, welche den StA scheitern ließ.

Es gab einen Konflikt zwischen freier und selbstbestimmter Notenvergabe mit Popitz’ Anspruch als Ordinarius, über die Scheinvergabe zu verfügen. Direkt daran schloss Popitz’ Kommentar ‘Ich erkläre diese Abstimmung für gegenstandslos’ an.

Neue Lehrformen: Diskussionen um Autorität und Zwänge

Die Diskussion um neue Lehrformen und eine weitere Demokratisierung drehte sich häufig um die Frage, wie mit Zwang im Studium umgegangen wird. In der Anfangszeit des StA war z.B. im Protokoll vom Juli 1967 noch zu lesen, dass ein gewisser Zwang – jedoch auch nicht zu viel – notwendig sei, um ein entsprechendes Leistungsniveau zu erreichen. Es wurde darüber diskutiert, wie Student*innen auf die Themenwahl Einfluss nehmen können, sodass ihnen keine Themen aufgezwungen würden. Übungsleiter*innen wurden dazu angeregt, sich ein Feedback von den Seminarteilnehmer*innen einzuholen.

Die Forderungen, Zwang zu verringern, wurden radikaler: Klausuren wurden in Frage gestellt und der Studienausschuss beschloss, diese nur noch freiwillig, zur eigenen Leistungskontrolle, anzubieten. Für mehr Transparenz sollte sorgen, dass die Übungsleiter*innen die Kriterien der Benotung bekannt gaben. Schließlich wollten die Student*innen auch bei der Besetzung von Tutoraten ein Mitspracherecht und der Studienausschuss bildete eine Kommission zur Auswahl. Bei der Auswahl von Übungsleiter*innen konnten sie diese Forderung allerdings nicht durchsetzen.

Fazit

Auch wenn die ‘68er mit ihren Bemühungen um eine andere Gesellschaftsform scheiterten, zeigt sich, dass in begrenzten Bereichen durchaus Veränderungen durchgesetzt wurden. Doch nicht nur die Institution Universität und deren Kultur konnten verändert werden. So zieht Michael Berger (2010: 6) das Fazit: „Verändert haben die Bewegungen vor allem die Beteiligten. Das Bewusstsein, Verantwortung nicht zu delegieren, sondern selbst aktiv zu werden trug ganz entscheidend zur Verwurzelung der Demokratie in Deutschland bei.“ [10] Die Möglichkeit zur demokratischen Beteiligung wurde für viele erfahrbar. Im Studienausschuss wurde, trotz Schwierigkeiten, Konflikten und Scheiterns demokratische Mitbestimmung ständig praktiziert und eingeübt.

von Isabel Schön und Julian Zimmer

Quellen Studienausschuss Soziologie
[1] UAF B151/25. Ordnung des Studienausschusses Soziologie. [Freiburg, SoSe 1967].

[2] UAK NP. Flugblatt von Trutz von Trotha: Stellungnahme eines ‘manipulierten Angepassten’ zum Flugblatt der Basisgruppe-Fachschaft-Soziologie zu den freien Arbeitsgruppen. Freiburg, [Juni 1969].

[3] UAK NP Flugblatt von Heinrich Popitz: Antworten 4 – Was heißt Demokratisierung? [1969]. S. 1. Hervorhebung i. Org.

[4] UAF B151/28 Studienausschuss. Protokoll vom 12.7.1968. Freiburg.

[5] UAF B151/25 Studienausschuss. Ordnung des Studienausschusses Soziologie. Freiburg, 1967.

[6] Vgl. UAK Popitz-Nachlass. Flugblatt der Basisgruppe Soziologie: Zerschlagt den konterrevolutionären Wissenschaftsbetrieb. [vor dem 19.6.1969]. S. 3

[7] UAF B151/28 Studienausschuss. Protokoll vom 24.4.1970. Freiburg.

[8] UAK Popitz-Nachlass. Stellungnahme der Kommission zur Institutionalisierung des Studienausschusses. 1967.

[9] UAF B151/28 Studienausschuss. Protokoll vom 8.11.1968. Freiburg.

[10] Berger, Michael (2010): Freiburg in Bewegung (1967-1987). Vortrag im BZ-Haus; Freiburg. S. 6.

Die Grundordnungsversammlung an der
Uni Freiburg im Wintersemester 1968/69

Auftakt zur heißen Phase der Freiburger Studentenproteste

Am 1. April 1968 trat ein neues Hochschulgesetz für Baden-Württemberg in Kraft. Die Hochschulen wurden beauftragt, das Gesetz binnen Jahresfrist umzusetzen und eine neue Grundordnung zu erarbeiten.

Dies war Aufgabe der Grundordnungsversammlung (GOV). In dieser waren drei Gruppen vertreten: Mitglieder wurden aus dem Kreis der ordentlichen und außerordentlichen Professoren, des akademischen Mittelbaus und der Studierenden gestellt. Rektor Bruno Boesch war Vorsitzender. Insgesamt standen 22 Professoren 10 Mittelbauvertretern und 10 Studierenden gegenüber – die Professorenschaft war also in der Überzahl. Einige radikaldemokratische Studierende und der SDS bezweifelten daher, dass eine Reform durch die Grundordnung überhaupt möglich sei. Dass man im Dialog mit der Professorenschaft die studentischen Interessen erfolgreich durchbringen konnte, glaubten nur wenige. Boykottieren wollten die meisten Hochschulgruppen die Grundordnungsversammlung dennoch nicht. Am 4. Juli 1968 traten bei der Wahl für die Studierendenvertreter in der GOV schließlich zwei Listen unabhängiger Studierender gegeneinander an: zum einen der Arbeitskreis Grundverordnung (AGO), bestehend aus Vertretern der Liste unabhängiger Studenten (LUST), dem Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB) und der Evangelischen Studentengemeinde (ESG), und zum anderen die Aktion Neue Universität (ANU), deren Vertreter aus dem Kreis unabhängiger Studenten (KUS) und der Demokratischen Mitte (DM) kamen. Die AGO stand der Grundordnungsversammlung kritisch gegenüber und sah in der Mitarbeit auch die Möglichkeit, die Reformunfähigkeit der Professoren zu demonstrieren und auf eine grundsätzliche Revision des Universitätsgesetztes zu drängen. Die ANU dagegen hielt nichts von dieser Freund-Feind-Stellung zwischen Professoren und Studierenden und verwies stattdessen darauf, wie wichtig eine Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen in der jetzigen Situation sei. Mit dieser Herangehensweise erreichte die ANU jedoch gerade mal drei Sitze in der GOV, die anderen sieben gingen an die AGO.

Die Grundordnungsversammlung tagte am 13. Juli 1968 zum ersten Mal. Der erste Tagesordnungspunkt war der Beschluss der Öffentlichkeit der Grundordnungsversammlungen. Diese Bedingung hatten die Studierenden für ihre Teilnahme gestellt und auch die Mehrheit der Professoren und des Mittelbaus stimmte dafür. Während der Semesterferien wurden dann in drei Kommissionen Teilentwürfe einer Grundordnung ausgearbeitet. Am 24. Oktober fand die erste Lesung dieser Teilentwürfe statt, woraufhin sich deutliche Spannungen zwischen den Gruppierungen abzeichneten (siehe vor allem GOV Film I „Debatten“). So forderten die Studierenden beispielsweise für die neue Grundordnung der Universität die Öffentlichkeit aller Gremiensitzungen, beispielsweise des Senats, und darüber hinaus eine Drittelparität für alle Entscheidungsgremien. Dies wiedersprach dem neuen Hochschulgesetz in vielerlei Hinsicht, weshalb die Studierenden zusätzlich auf dessen Novellierung beharrten. Dasselbe galt auch für den vom Kultusministerium veröffentlichten Entwurf eines Hochschulgesamtplans (HGP), der auf einer Vorlage des Soziologieprofessors Ralf Dahrendorf basierte („Dahrendorfplan“). Der HGP sollte helfen, das Massenproblem an den Hochschulen zu lösen und den gesamten Hochschulbereich umzugestalten. Dazu gehörte unter anderem auch die Einführung des sechssemestrigen Kurzstudiums, was die Studierenden in der GOV ablehnten. Ein anderer Streitpunkt war das Disziplinarrecht. Während die Professoren dieses in Form eines universitätsinternen Ordnungsrechts beibehalten wollten, forderten die Studierendenvertreter dessen Abschaffung. Die meisten Studierenden, besonders die Vertreter der AGO, waren nicht bereit von ihren Forderungen abzuweichen und isolierten sich dadurch zusehends in der Grundordnungsversammlung. Das hatte zur Folge, dass der Mittelbau und die Professoren trotz gelegentlicher interner Streitigkeiten näher zusammenrückten. Außerdem verschärfte sich der Ton und die Auseinandersetzungen im Laufe der 18 Sitzungstage – die Diskussionen wurden zum Teil polemisch geführt (siehe vor allem GOV Film II „Krise“).

Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) nutzte die angespannte Lage, um ‚Stimmung zu machen‘. Die Hochschulgruppe hatte die Mitarbeit in der GOV verweigert, da sie von der Gremienarbeit nichts hielt und stattdessen für die Selbstorganisation der Studierenden in den Instituten und Basisgruppen plädierte. Nun nutzte der SDS die GOV-Sitzungen als öffentliche Bühne: Mit Zwischenrufen, Go-ins und diversen Störaktionen heizte er die bereits angespannte Stimmung an.

Laut Rektor Boesch gingen manche Verhandlungen buchstäblich im Pulverdampf der Knallkörper unter. Dabei kümmerte es den SDS nicht, dass ein Großteil der im Publikum anwesenden Studierenden ihre Störungen missbilligte. Zudem fühlten sich viele Professoren von den Angriffen des SDS abgestoßen und persönlich verletzt. Sie verstanden die Aktionen als einen Angriff auf die bestehende universitäre Ordnung und rückten zusammen. Ähnliches geschah bei den Studierenden. Emotionale und unangemessene Reaktionen einiger Professoren führten zu einer Solidarisierung in der Studierendenschaft. Darüber hinaus zeichnete sich zur Enttäuschung der Studierendenvertreter ab, dass die Professoren und der Mittelbau nicht gewillt waren, eine Grundordnung ohne Rücksicht auf die Bestimmungen des Hochschulgesetzes auszuarbeiten.

Dadurch sahen die Studierenden sich in ihrer Meinung bestätigt: Die Grundordnung war nur ein Instrument zur Beherrschung der Universität durch die Ordinarien. Aus diesem Grund legten die studentischen Vertreter am 13. Dezember 1968 ihre Arbeit nieder und zogen aus der GOV aus. Die neue Grundordnung wurde daraufhin ohne studentische Vertreter ausgearbeitet und schlussendlich mit 22 gegen 6 Stimmen angenommen. Am 17. März 1969 wurde sie offiziell verabschiedet.

von Elisabeth Schmitz

Proteste an der Universität Freiburg

Rektorwahl unter Polizeischutz im Dezember 1968

Der Dezember des Jahres 1968 war ein turbulenter und angespannter Monat für die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Studierende initiierten mehrere Stör- und Protestaktionen. Besonders die für den 9. Dezember anberaumte Rektorwahl erregte Aufmerksamkeit. Der amtierende Rektor Bruno Boesch sollte für ein weiteres akademisches Jahr wiedergewählt werden. Dies sollte nach dem alten Wahlmodus geschehen, bei dem nur der habilitierte Lehrkörper unter Ausschluss der Öffentlichkeit wählen durfte. Diese Tatsache veranlasste einige Studierende dazu, die Wahl zu stören, sodass diese vertagt werden musste. Am 19. Dezember fand der zweite Wahlversuch statt, dieses Mal unter Polizeischutz, was für noch mehr Empörung unter den Studierenden sorgte.

Im folgenden Beitrag werden die Ereignisse rund um die gestörte Rektorwahl näher beleuchtet. Dabei stehen vor allem die Positionen und Konflikte der beteiligten Akteure – verschiedene Hochschul- und Studierendengruppen sowie Professoren und der Rektor – im Vordergrund.

Vorgeschichte: Bruno Boeschs konfliktreiche erste Amtszeit als Rektor

Porträt von Prof. Dr. Bruno Boesch (1911-1981)

Der als konservativ geltende Altgermanist Bruno Boesch trat sein Amt als Rektor der Universität Freiburg am 15. April 1968 an. Eine seiner wichtigsten Aufgaben für das akademische Jahr 1968 war es, in einer Kommission eine neue Grundordnung (siehe Text zur Grundordnungsversammlung) für die Universität auszuarbeiten. Dies wurde durch das neue Hochschulgesetz Baden-Württembergs vorgeschrieben. Es stellte sich jedoch heraus, dass die friedliche Schaffung einer neuen Grundordnung kaum möglich war, da sich die Mitglieder der Grundordnungsversammlung in vielen Punkten uneinig waren. Gegenseitige Toleranz und eine Kompromissfindung waren kaum möglich.

Darüber hinaus wurden im November und Dezember 1968 mehrere Senatssitzungen, von denen Studierende und der Mittelbau generell ausgeschlossen waren, von linken Hochschulgruppen gesprengt. Ihre Kritik richtete sich vor allem gegen die „professorale Alleinherrschaft“ an der Universität.

Erster Versuch der Rektorwahl am 9. Dezember 1968: Die Forderung nach Öffentlichkeit und Partizipation

Die hochschulpolitische Situation an der Universität Freiburg war kurz vor Jahresende äußerst angespannt. In dieser turbulenten Phase sollte die Rektorwahl für die Amtszeit 1969/70 stattfinden. Bis zur Verabschiedung der neuen Grundordnung und deren Genehmigung durch die Landesregierung musste ein Übergangsrektor gefunden werden. Die Fakultäten hatten sich im Voraus darauf geeinigt, dass dieser Übergangskandidat Boesch sein sollte, da dies die praktikabelste Lösung sei.

Dagegen legten jedoch einige studentische Gruppen Protest ein. Sie kritisierten einerseits die konservative Ausrichtung Boeschs und andererseits den veralteten Wahlmodus: Die Wahl sollte nach den Bestimmungen der alten Grundordnung stattfinden, in der nur der habilitierte Lehrkörper den Rektor ohne studentische Beobachter wählen konnte. Diese fehlende Partizipation und Öffentlichkeit missbilligten einige studentische Gruppierungen. Ihr Ziel war es, neue öffentliche Räume für Studierende an der Universität zu schaffen.

Daher rief die Fachschaft Germanistik am Tag der Wahl auf einem Flugblatt „Der Rektor wird uns neu geboren“ zu einer Demonstration gegen die Rektorwahl auf. Ironisch hieß es darauf: „Wußten [sic!] Sie schon: … der Rektor ist Vertreter der Gesamtuniversität! Er ist Ihr Vertreter! Deshalb wird er gewählt. NUR VON DEN ORDINARIEN!“ [1] Für die Fachschaft war der Allgemeinvertretungsanspruch des Rektors nicht legitim. Sie strebte nach Veränderung und Neugestaltung der alten Universitätsriten und -vorgänge. Studierende, Mittelbau und Professoren sollten an der Selbstverwaltung teilhaben. Kritik übte die Fachschaft Germanistik außerdem am mit knapper Mehrheit konservativ ausgerichteten Allgemeinen Studentenausschuss (AStA), der exekutiven Gewalt der studentischen Selbstverwaltung. Dieser habe es nicht für nötig gehalten, die Studierenden über die Wahl und deren Modus zu informieren.

Dem Aufruf zur Störung der Rektorwahl schlossen sich etwa 200 Studierende an, darunter zahlreiche Mitglieder des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Am Abend des 9. Dezember 1968 versammelten sie sich in der Vorhalle des Kollegiengebäudes I, wo sie mit Boesch diskutieren wollten. Dieser verwies darauf, dass die Wahl noch einmal unter dem alten Modus stattfinden müsse, da die Grundordnungsversammlung diesbezüglich noch keine neue Regelung ausgearbeitet habe. Prinzipiell sei er aber einverstanden, Studierende zukünftig am Wahlverfahren zu beteiligen. Eine Gruppe SDSler wollte sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden geben und versuchte, dem Rektor ins Wahllokal zu folgen. Daraufhin kam es zu einem Gerangel und teilweise handfesten Auseinandersetzungen zwischen den Studierenden, Hausmeistern und Professoren. Der Rektor sprach im Nachhinein von „üblen Raufszenen“. Der AStA beschrieb die Situation so:

„Hier wurden Studenten von einigen Hausmeistern der Zutritt verwehrt. Nach einem kurzen Geplänkel nahm das Gedränge handfeste Formen an. Die Hausmeister stießen unter lebhafter Beteiligung einiger Professoren (allen voran Mediziner Fleckenstein) die Studenten zurück.“

In einem Flugblatt der Arbeitsgemeinschaft Grundordnung (AGO) (siehe Text zur Grundordnungsversammlung) hieß es, das Handgemenge habe in einem Boxkampf geendet, „als Mediziner Fleckenstein beherzt eingriff und mit ihm einige Professoren (z.B. Herzog) sich für den Universitätsschlägerpreis qualifizierten.“ Am drastischsten formulierte der SDS die Szenen:

„Fleckenstein schlug dem Studenten Gerhard V. zweimal mit der Faust ins Gesicht. Ulf W. betitelte er: Sie wildes Schwein. […] Und dann band er sich seine Krawatte ab, um kampffähiger zu sein. Als Gerhard V. sich empört beschwerte ‚Fleckenstein hat mich geschlagen‘, antwortete Fleckenstein: ‚Kommen Sie her, Sie kriegen noch eine.‘

Auch wenn diese Schilderungen vermutlich dramatisiert waren, zeigten sie, dass es zu gewaltsamen und handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Professoren und Studierenden kam. Daraufhin wurde die Rektorwahl abgebrochen und vertagt.

Am folgenden Tag nahmen die beteiligten Parteien schriftlich Stellung zu den Vorkommnissen. Boesch verurteile das rechtswidrige Vorgehen der Studierenden auf das Schärfste und tadelte auch den AStA, der die Störung gebilligt habe. Aktiv an der Störung beteiligt war der AStA jedoch nicht gewesen. Dies begründete er damit, dass er zwar die Initiative der Fachschaft Germaninstik begrüßt habe, seine wichtigsten Aufgaben momentan jedoch in anderen hochschulpolitischen Feldern (siehe Abbildung 3) sehe. Zudem hatte sich der AStA zuvor ausdrücklich von gewaltsamen Protesten distanziert.

Die Fachschaft Germanistik wiederholte in ihrer Stellungnahme, dass sie den Rektor als Vertreter der Gesamtuniversität nicht akzeptiere, solange nicht alle Gruppen der Universität gleichstark an dessen Wahl beteiligt seien. Zudem lehnte die Fachschaft den Einsatz von Hausmeistern zum „Schutz von Unrechtsprinzipien“ (siehe Abbildung 4) ab. Darin wurde sie von der AGO und dem SDS unterstützt. Letzterer kritisierte ebenso wie die Fachschaft Germanistik den AStA. Er beschimpfte ihn als „Professorenasta” und warf ihm erneut vor, nicht über Zeit und Ort der Rektorwahl informiert zu haben und darüber hinaus die Gewaltszenen des vergangenen Tages zu verharmlosen.

Bei den Studierenden zeichneten sich eindeutig radikale und gemäßigtere Positionen ab. Während der SDS und die Fachschaft Germanistik auf Konfrontationskurs gingen, um ihren Forderungen nach mehr Partizipation und Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen, versuchte der AStA eine gemäßigtere, passive Position einzunehmen. Dies verweist auf eine vielschichtige Gemengelage studentischer Akteure und die Tatsache, dass sich die Ereignisse beim ersten Wahlversuch nicht nur auf einen Konflikt zwischen Studierenden und Professoren reduzieren lassen.

Rektor in der heißen Phase der Freiburger Studentenbewegung

Bruno Boesch wurde am 13. März 1911 in Herisau in der Schweiz geboren. Er war das zweite Kind des Reallehrers Bruno Boesch und dessen Ehefrau Anna. Bruno Boeschentdeckte bereits während seiner Schulzeit seine Leidenschaft für Reden und Rhetorik. 1930 schloss er seine Schulausbildung in St. Gallen mit dem Abitur (schweiz. „Matura“) in Literatur und Griechisch ab.

Ab 1932 studierte er an den Universitäten Berlin, Basel und Bonn Germanistik, Philosophie und Geschichte, sowie für ein Semester französische Sprache und Literatur in Paris. 1935 promovierte er an der Universität Bern bei Helmut de Boor über das Thema „Die Kunstanschauung in der mittelhochdeutschen Dichtung von der Blütezeit bis zum Meistergesang“.

Danach arbeitete er zunächst an mehreren Schulen als Lehrer, bevor er zu weiteren Studien 1937/38 nach München und Leipzig zog. 1940 habilitierte sich Bruno Boesch an der Universität Zürich für Germanische Philologie. Seine Habilitationsschrift trägt den Titel „Untersuchungen zur alemannischen Urkundensprache des 13. Jahrhunderts“. Er begann an der Universität Zürich vor allem über Themen zu mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Dichtung, Sprache und Sagen bzw. Erzählungen (z.B. die Nibelungensage oder Parzival) zu lehren. Am 11. September 1948 heiratete Bruno Boesch Louise Lier (*1907). Die Ehe blieb kinderlos.

1959 wurde Bruno Boesch als außerordentlicher Professor für ältere deutsche Sprache und Literatur an die Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau berufen. 1964 wurde er dort ordentlicher Professor und zugleich Mitdirektor des Institutes für geschichtliche Landeskunde (Germanistische Abteilung). 1967 erfolgte seine Wahl zum Rektor für das akademische Jahr 1968/69. Mitten in den 68-Unruhen, die auch die Universität Freiburg nicht verschonten, waren Bruno Boeschs primäre Aufgaben die Schaffung einer neuen Grundordnung und die damit verbundene Umstrukturierung der Universität. Im Zuge dessen musste er sich häufig mit Meinungsdifferenzen der Studierenden und zudem diversen Protestaktionen auseinandersetzen, die die Universität erschütterten. Zunächst bewahrte er dabei stets Ruhe. Spätestens ab der verhinderten Rektorwahl am 9. Dezember 1968 und diversen gesprengten Senatssitzungen kündigte er jedoch einen schärferen Ton und härtere Maßnahmen an, was ihm noch mehr Kritik von Seiten der Studierenden einbrachte. Die Ordinarien der Universität Freiburg unterstützten ihn jedoch nahezu geschlossen in seinem Kurs. Auch konnte eine neue Grundordnung 1969 trotz der Nichtbeteiligung der Studierenden verabschiedet werden. 1970 übergab Bruno Boesch das Amt des Rektors schließlich an Professor Hansjörg Steinlin.

Nach seiner Emeritierung 1977 verlegte Bruno Boesch seinen ständigen Wohnsitz von Freiburg nach Seegräben in der Schweiz. Dort starb er am 30.11.1981.

Der umstrittene Polizeieinsatz

Zweiter Versuch der Rektorwahl am 19. Dezember 1968

Boesch beraumte umgehend eine zweite Wahl an. Er war entschlossen dafür Sorge zu tragen, dass die Versammlung ungestört zusammentreten konnte, wenn nötig auch unter Polizeischutz. Diese Maßnahme war bei den Professoren umstritten. Die Professoren Hesse und Bullinger beschworen den Rektor, nicht von seinem milden Kurs abzuweichen. Beide warnten vor der Wirkung eines Polizeieinsatzes bei den Studierenden: Darin sähen diese die Ordinarienuniversität nur bestätigt, was den Konflikt zwischen Professoren und Studierenden nur verschärfe. Der Dekan Eggebrecht äußerte sich zudem kritisch gegenüber dem Wahlsystem, das er für nicht mehr zeitgemäß hielt. Da es der Rektor nicht für nötig gehalten habe eine Zwischenlösung bezüglich des Wahlmodus zu finden, bedeutete dies im Umkehrschluss für Eggebrecht, nicht zur Wahl zu kommen. Dasselbe kündigten die Professoren Hesse, Sauerländer, Zmarzlik, Reik und Marschall an, diese jedoch vor allem wegen des Polizeieinsatzes.

Boesch erklärte seine Beweggründe für den Polizeieinsatz folgendermaßen: Auf studentischen Flugblättern sei eine erneute Störung der Rektorwahl angekündigt worden und daher die präventive Absicherung durch die Polizei zum Schutz aller Beteiligten notwendig. Auf diese Weise könne die Zusammenkunft einer ausreichend großen Plenarversammlung von Professoren gesichert werden, die ihn sowohl in seiner zweiten Amtszeit als Rektor bestätigen, als auch über den weiteren Kurs der Universität entscheiden könne. Oberstes Ziel sei dabei, die Universität funktionsfähig zu halten sowie Handgemenge und Gewalt zu vermeiden.

Die vermeintlich guten Absichten hinter dem Polizeieinsatz fasste ein Teil der Studierenden völlig anders auf. Als die Information, der zweite Versuch der Rektorwahl würde unter Polizeischutz stattfinden, zu den Studierenden drang, war vor allem der SDS überzeugt, die Wahl erneut stören zu müssen. Auf einem Flugblatt vom 19. Dezember 1968 kritisierte er, dass die Wahl erneut unter Ausschluss der Studierenden stattfinden solle und zudem vorbeugend die Polizei alarmiert worden sei, um die überkommenen Rechte der Professoren auf alleinige Wahl zu wahren. „ZERSCHLAGT DIE ORDINARIENUNIVERSITÄT!“ (siehe Abbildung im Text zur Rektoratsbesetzung) [9], lautete die Forderung der Hochschulgruppe. Damit hatten sich die Befürchtungen der Professoren Hesse und Bullinger bestätigt: Der Polizeieinsatz verschärfte den Ton und das angespannte Klima an der Universität. Jedoch unterstützten bei weitem nicht alle Studierende diese radikale Linie des SDS. Der AStA beispielsweise blieb seiner gemäßigten Linie weiterhin treu. Er empfand eine erneute Störung der Rektorwahl als unnötig, da damit langfristig nichts erreicht werden würde. Dies bedeutete jedoch nicht, dass er den Polizeieinsatz nicht auch wie die meisten Studierenden verurteilte.

Wie Boesch es angekündigt hatte, geschah es: Schon seit Mittag des 19. Dezember 1968 wurden die Eingänge des Physiologischen Instituts, in dem die Wahl stattfinden sollte, sowie das Gelände rundherum streng von der Polizei bewacht. Gegen 18 Uhr tauchten zwischen 50 und 100 Studierende auf. Daraufhin wurden die Professoren mithilfe der Polizei und „unter Schmähungen des studentischen Haufens“ [10], wie Boesch es ausdrückte, in das Institut eskortiert. Laut AStA sei es zu Handgemengen zwischen Polizisten und Studierenden gekommen, bei denen jedoch niemand ernsthaft verletzt worden sei. In den Schilderungen des SDS und weiterer linker Hochschulgruppen gestaltete sich der Zusammenstoß deutlich drastischer. Auf einem Flugblatt mit dem ironischen Titel „Endlich Polizeieinsatz bei Rektorwahl“ (siehe Abbildung rechts) [11] wurden die Ereignisse vor dem Physiologischen Institut als Zirkusprogramm präsentiert:

„GESTERN ABEND GALAVORSTELLUNG IM ZIRKUS FLECKENSTEIN!!!!! THEMA: PROFESSORENCLIQUE WÄHLT IHRE REPRÄSENTATIONSMARIONETTE […] Fleckis Physiologisches Institut im Ausnahmezustand […] Vor Ankunft der Wahl-Stars: hermetische Abriegelung des gesamten Instituts […] Schwäche der professoralen Legitimation durch schlagkräftigen Polizeieinsatz verstärkt. […]“ [12]

Vermeintlich herausstechende Brutalitäten wurden als „Solonummern“ (siehe Abbildung rechts) betitelt: „Tief- und Nierenschläge für einen Kommilitonen […] Strangulation eines Kommilitonen durch Ziehen an den beiden Enden seines Schals […] brutale Karateschläge eines zivilen Greifers ohne ersichtlichen Anlaß [sic!] […].“ [13] Der SDS warf den Professoren vor, dass die Autonomie der Universität für sie ein reines Lippenbekenntnis sei und sie sich auch nicht scheuen würden, die Polizei zur Wahrung ihrer eigenen Interessen und Vorteile gegen Studierende einzusetzen. Auch der AStA, gemeinsam mit dem Studierendenrat, wurde erneut Gegenstand der Kritik. SDS-Mitglied Klaus Theweleit warf den beiden Versammlungen vor, dass sie zu Unrecht abgelehnt hätten, den SDS bei seiner zweiten geplanten Wahlstörung zu unterstützen, da sich eine Studierendenvollversammlung mit dem Vorgehen der Fachschaft Germanistik solidarisiert hätte. Mit solchen Studierendenvertretern sei „die Ordinarienuniversität als Produktionsstätte von Knetgummitypen nicht wirkungsvoll zu bekämpfen, geschweige denn abzuschaffen“ [14], lautete das Fazit Theweleits. Mit dieser Polemik und der radikalen Rhetorik auf seinen Flugblättern sollte der SDS noch ein weiteres halbes Jahr die Stimmung an der Universität Freiburg anheizen.

Abb. 7: UAF B47/259. Überschrift der asta-Information für Studenten und Dozenten Nummer 30, 20.12.1968.

Der AStA selbst protestierte in einer öffentlichen Erklärung (siehe oben) entschieden gegen den Polizeieinsatz und kritisierte in erster Linie Boesch, der durch die Anforderung der Polizei die Interessen der gesamten Universität verraten habe. Der AStA bezeichnet den Einsatz als unter keinen Umständen gerechtfertigt und bedauerte darüber hinaus, dass trotzdem mehr als 140 Ordinarien zur Wahl gegangen waren. Ironisch formulierte er abschließend: „Der AStA gratuliert dem Rektor zu seiner Wiederwahl von Polizisten Gnaden. Den Professoren spricht der AStA seinen Dank dafür aus, daß [sic!] sie sich entschließen konnten, den Rektor trotz Polizeischutz einstimmig wieder zu wählen.“ [15] Die studentischen Vertreter und Hochschulgruppen verurteilten den Polizeieinsatz unisono scharf. Auf der Seite der Professoren war dies so nicht der Fall. Nur sehr wenige Professoren hatten sich aufgrund des Polizeieinsatzes nicht zur Wahl begeben. Nahezu geschlossen begrüßten sie den von Boesch angestrebten härteren Kurs und sprachen ihm dafür ihr Vertrauen und ihre Unterstützung aus. Damit unterschieden sich die Ansichten der meisten Professoren deutlich von denen der aktiv protestierenden Studierenden. Boesch hatte vorerst gewonnen und ließ sich von den Professoren bestätigen. Am 19. Dezember 1968 wurde er nahezu einstimmig mit 146 von 149 Stimmen als Rektor wiedergewählt.

Nachspiel und Fazit

Was blieb von den Protesten bei der Rektorwahl und dem umstrittenen Polizeieinsatz an der Universität Freiburg? Der AStA versuchte mittels eines Antrags im Senat seiner Missbilligung und seiner Kritik anlässlich des Polizeieinsatzes Gehör zu verschaffen:

 „Der Senat möge beschließen: Der Senat mißbilligt [sic!] den Polizeieinsatz anläßlich [sic!] der Rektorwahl am 19.12.1968 im Physiologischen Institut. Der Senat bestimmt, daß [sic!] in Zukunft die Polizei zur Sicherung politischer Veranstaltungen in der Universität Freiburg nicht mehr herangezogen wird, solange die persönliche Integrität der Betroffenen gewahrt bleibt.“ [16]

In der Senatssitzung vom 16. Januar 1969 wurde dieser Antrag jedoch abgelehnt. Damit hatten sich die anwesenden Professoren erneut eindeutig auf der Seite Boeschs positioniert. Der AStA war darüber nachvollziehbarerweise enttäuscht und kündigte an, in diesem Semester nicht mehr an den Senatssitzungen teilzunehmen. Offensichtlich hatten sich die Studierendenvertreter mehr Verständnis für die Interessen der Studierenden von den Professoren erhofft.
Auch Boesch musste sich noch einmal für sein Vorgehen vor den Studierenden verteidigen. Gegenüber dem Präsidenten des Studierendenrates Wolfram Stör wiederholte er in einem Brief, dass der präventive Polizeieinsatz unbedingt nötig gewesen sei, damit ein großes Plenum von Professoren ihm Vertrauen und Rückhalt für eine weitere Amtszeit als Rektor hätte zusichern können. Wegen der Ankündigung einer Störung auf studentischen Flugblättern habe er die Wahlversammlung vorsichtshalber von der Polizei schützen lassen. So habe die persönliche Integrität aller Beteiligten gewahrt und unwürdige Szenen verhindert werden können. Dies sei zum Wohl der Universität passiert, damit diese funktionsfähig bliebe und die nötige Ruhe für anstehende Reformen vorhanden sei.

Dass Boesch die tatsächlichen Auswirkungen seines Polizeieinsatzes verkannte und mit seinen vermeintlich guten Absichten bei einigen Studierenden auf taube Ohren stieß, stellte sich bald heraus. Besonders für die radikaleren Hochschulgruppen wie den SDS, der auf schnellstmögliche Veränderungen und Neuerungen an der Universität pochte, war der Polizeieinsatz nur ein zusätzlicher Beweis für die autoritäre und repressive Ordinarienuniversität. In einem kritischen Kommentar der Badischen Zeitung (BZ) (siehe Abb. 8) wurde zurecht konstatiert: „Daß [sic!] durch solche nervösen Reaktionen auf studentische Störversuche die Ruhe an der Universität nicht wiederhergestellt wird, liegt auf der Hand.“ [17] Die BZ sollte Recht behalten: Die Störungen an der Universität Freiburg verstärkten sich im Laufe des Semesters und besonders im folgenden „heißen“ Sommersemester 1969, etwa bei der Rektoratsbesetzung (siehe Text zur Rektoratsbesetzung) im Januar 1969 oder zahlreichen Störungen des Lehrbetriebs (siehe Text zum Deutschen Seminar). Dabei waren jedoch meist nur die linken Hochschul- und Basisgruppen aktiv, während andere Hochschulgruppen und die Studierendenvertreter gemäßigter und passiv blieben, wie es auch bei den Protesten anlässlich der Rektorwahl der Fall gewesen war. Daher können die Ereignisse rund um die Rektorwahl nicht nur auf einen Konflikt zwischen Professoren und Studierenden reduziert werden. Vielmehr wird bei den studentischen Akteuren eine vielschichtige Gemengelage geistiger und politischer Strömungen deutlich, in denen jeweils andere Pläne für die ‚Universität der Zukunft‘ verfolgt wurden.

von Elisabeth Schmitz

Quellen Rektorwahl
[1] Flugblatt „Wir finden Bruno“ vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), dem Unabhängigen Liberalen Studentenbund Deutschland (ULSD), dem Sozialdemokratischen Hochschulbund (HSB), einigen Basisgruppen und der Humanistischen Studenten Union (HSU), abgedruckt in: Boesch, Bruno (1970), Jahresbericht über die Rektoratszeit 1968-1970. Freiburg im Breisgau, S. 14.[2] UAF B2/39. Flugblatt der Fachschaft Germanistik „Der Rektor wird uns neu geboren“, 9.12.1968.[3] Boesch, Bruno (1970), Jahresbericht über die Rektoratszeit 1968-1970. Freiburg im Breisgau, S. 15.[4] UAF B47/259. asta-Information für Dozenten und Studenten Nummer 24, 10.12.1968.[5] UAF B2/39. AGO Info „Prügel für die Öffentlichkeit“, 10.12.1968.[6] ASB 5.2.1.1 I. Flugblatt des SDS „Rektorwahl“, o.D.[7] UAF B47/259 asta-Information für Studenten und Dozenten Nummer 24, 10.12.1968.[8] ASB 5.2.1.1 I. Flugblatt des SDS „Rektorwahl“, o.D.[9] UAF B2/39. Flugblatt des SDS „Rektorwahl heute“,19.12.1968.[10] Boesch, Bruno (1970): Jahresbericht über die Rektoratszeit 1968-1970. Freiburg im Breisgau, S. 16.[11] AF B2/39. Flugblatt des SDS „Endlich Polizeieinsatz bei Rektorwahl“, 20.12.1968.[12] UAF B2/39. Flugblatt des SDS „Endlich Polizeieinsatz bei Rektorwahl“, 20.12.1968.[13] UAF B2/39. Flugblatt des SDS „Endlich Polizeieinsatz bei Rektorwahl“, 20.12.1968.[14] Theweleit, K. (1969), „bullen in der uni“, in: Freiburger Studentenzeitung 19 (1), S. 9-12, S. 11.[15] UAF B47/259. asta-Information für Studenten und Dozenten Nummer 30, 20.12.1968.[16] UAF B2/460. Brief vom AStA an Rektor Boesch, 9.1.1969.[17] Badische Zeitung (21./22.12.1968); Belagerungszustand.

Das Rektorat in Freiburg ist besetzt

Erinnern Sie sich noch an die Demonstration der Studenten vom 2. Mai 2005? Bei dieser Demonstration haben die Studenten mehr Demokratie in den Hochschulen sowie die Abschaffung der Studiengebühren und der Ökonomisierung der Hochschule gefordert. Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, entscheiden sich circa 100 Studierende das Rektorat zu besetzen. [1] Doch war dies nicht die erste Rektoratsbesetzung in Freiburg.

Im kalten Winter 1969 erhofften sich die Freiburger Studierenden – nach dem Prager Frühling im Jahr zuvor – einen neuen „Frühling“ auch in Freiburg. Seit dem Dezember 1968 waren die Proteste in Freiburg radikaler geworden. Die Studierenden waren aus der Grundordnungsversammlung ausgetreten, da sie sich mit ihren Mitbestimmungsforderungen nicht durchsetzen konnten. In der Folge verhinderten Studierende die Durchführung der Rektorwahl. Es gab Tumulte und die Rektorwahl wurde im Dezember 1968 unter Polizeischutz durchgeführt. Im Januar 1969 kam es dann schließlich zur Besetzung des Rektorats.

Auftakt der Rektoratsbesetzung in Freiburg
„Solidarität mit Heidelberg!“

Am Montag und Dienstag, den 13. und 14. Januar 1969, verteilten der AStA und verschiedene Hochschulgruppen, so der SDS (Sozialistischer deutscher Studentenbund), die HSU (Humanistische Studentenunion) und der USLD (Unabhängiger liberaler Studentenbund Deutschlands), Flugblätter auf dem Freiburger Universitätsgelände. Mit dem Schlagwort: „Solidarität mit Heidelberg“ reagierten sie auf einen Polizeieinsatz, der wenige Tage zuvor, am Freitag, den 10.01.1969, an der Heidelberger Universität stattgefunden hatte: Zwölf Studierende waren dort von der Polizei im Raum des AStA festgenommen und einige – verletzt und blutüberströmt – ins Mannheimer Landesgefängnis eingeliefert worden. Großen Protest rief die Tatsache hervor, dass die Polizei bei dieser Aktion Gewalt angewendet hatte. Auch Freiburger Studenten hatten, so z.B. anlässlich der Rektorwahl im Dezember 1968, erstmals Polizeieinsätze an der Universität erlebt. Sie solidarisierten sich mit Heidelberg und wehrten sich gegen Polizeieinsätze an der Universität.

Nach dem Polizeieinsatz in den Heidelberger AStA-Räumen riefen in Freiburg die Hochschulgruppen SDS, HSU und USLD am 14 Januar 1969 zu einer Vollversammlung im Auditorium Maximum auf, die um 14 Uhr beginnen sollte. Doch die Versammlung fand nicht statt. Überraschenderweise teilte ein Sprecher des SDS den dort versammelten Studierenden mit, dass Räume des Rektorats, die damals im ersten Obergeschoss der Universitätsneubaus (jetziges KG III) lagen, von circa 30 Studenten besetzt worden seien. [2]

Die Studierenden hatten die Flurtür zum Rektorat mit Brecheisen aufgestemmt und auf die gleiche Weise einige der angrenzenden Räume betreten. Sowohl der Rektor als auch der Prorektor und Kanzler waren zur Mittagspause nicht in ihren Dienstzimmern. Die Studenten hängten Plakate mit der Aufschrift „Zerschlagung des Rektorats und der Ordinarien“ auf und malten eine geballte Faust auf eine Bürowand. Es dauerte einige Zeit, bis die Besetzer die Tür des Rektorats vollkommen öffnen konnten. Während einige Studenten in „Gemeinschaftsarbeit“ erneut zwei rote Brecheisen ansetzten, versammelten sich etwa 150 Studierende im Treppenaufgang des KGIII. Sie diskutierten über die Berechtigung einer Rektoratsbesetzung und allgemeine studentische Reformvorschläge. Währenddessen machten sich die Studenten, die in das Rektorzimmer eingedrungen waren, über die ausliegenden Besucherzigarren her. Sie durchsuchten Akten und Bücher, anschließend wurde das übrige Inventar des Rektorzimmers durchstöbert und aufgefundene Bücher mit entsprechenden Bemerkungen kommentiert. Außerdem meldeten sie bei der Telefonzentrale Gespräche mit den Allgemeinen Studentenausschüssen anderer Universitäten an und richteten sich mit dem Hinweis auf ihr Eigentumsrecht an der Gesamtuniversität in den Räumen ein.

Skandal um das „Goldene Buch“ der Universität

Bei der Rektoratsbesetzung fanden die Studenten auch das „Goldene Buch“ der Universität, in welches sich traditionell die Ehrengäste der Universität eingetragen hatten. Es kam zu einer bemerkenswerten Aktion: Sie schissen auf das Goldene Buch, „im wahrsten Sinne des Wortes“. Als neue Ehrengäste „unterschrieben“ Uwe Seeler, Mao Tse Tung und Che. Die Rektoratsbesetzer waren entsetzt, dass sie in diesem Buch unkommentiert die Namen von führenden Nationalsozialisten, so z.B. des ehemaligen Präsidenten des Volksgerichtshofes Roland Freisler, fanden. Nach dem Ende der NS-Zeit hatte man im Goldenen Buch einfach fünf Seiten frei gelassen und war dann quasi zur Tagesordnung und den Neueintragungen übergegangen. Für die Rektoratsbesetzer symbolisierten diese fünf ausgelassenen Seiten die fehlende Auseinandersetzung der Universität mit dem Nationalsozialismus.

Das Goldene Buch befindet sich heute im Uniseum.

Reaktionen auf die Rektoratsbesetzung

Gegen 18.30 Uhr verließen die Besetzer das Rektorat und zogen sich ins Audimax zurück. Anders als in Heidelberg reagierte der Freiburger Rektor auf die Besetzung besonnen. Es gab in Freiburg keinen Polizeieinsatz und in der Folge kam es daher nicht zu Gewaltakten gegen Personen. Der Flur zum Rektorat wurde danach mit Ketten verschlossen, da die Türschlösser nicht mehr funktionierten. Die während der Aktion entstandenen Schäden durch das Aufbrechen der Türen, das Herausreißen von Möbeln, die im Boden verankert waren, das Beschmieren von Wänden und die Entwendung von Papier und Matrizen wurden auf 3000 DM geschätzt. [3] Rektor Boesch verurteilte die Aktion scharf: Noch am Tag der Rektoratsbesetzung gab er eine Presseerklärung heraus, in der er behauptete, dass diese Aktion von einer radikalen Minderheit durchgeführt wurde. Die meisten Studierenden hätten sich nicht aktiv engagiert, sondern nur zugeschaut. Die Aktion habe nur eine „furchtbare Unruhe“ hervorgerufen und sei gescheitert. Eine kritische Auseinandersetzung zwischen Lehrenden und Lernenden habe nicht stattgefunden. Studierende und Dozenten seien Terror verschiedenster Prägung ausgesetzt worden. Er warnte davor, Veranstaltungsstörungen als Diskussionsmittel einzusetzen: „Wir sind ja schließlich Akademiker und keine Arbeiter oder sonst irgendwer. Wir haben ja gelernt zu argumentieren und haben nicht nötig zu randalieren.“ [4] Er verurteilte Polizeieinsätze in der Universität aber nicht grundsätzlich. In einer Demokratie sei der Einsatz von Ordnungskräften vollkommen legitim und er würde sie gegebenenfalls nutzen, damit Sitzungen und Veranstaltungen durchgeführt werden können.

Gegen die an der Besetzung des Rektorats maßgeblich beteiligten elf Studenten erstattete die Universität Anzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Unter den Angeklagten war auch der 21-jährige Philosophiestudent Fritz Erik Hoevels, der sich kurze Zeit später in einem Entschuldigungsbrief an Rektor Boesch wandte. Er bedauerte das „gewaltsame Aufbrechen des Rektorats“, wollte für den entstandenen Schaden Ersatz leisten und künftig bei der Verfolgung politischer Ziele auf die Anwendung von Gewaltverzichten. [5] Rektor Bösch zog daraufhin die Anzeige gegen ihn zurück. Er machte seinen Briefwechsel mit Hoevels der Öffentlichkeit zugänglich, um die Aktion des SDS zu diskreditieren. Die Studierenden kritisierten in einer Vollversammlung das Vorgehen des Rektors und nannten es eine „versuchte Erpressung“. [6] Am 16. Januar 1969 wurden die an der Rektoratsbesetzung mutmaßlich beteiligten Studenten, die als Tellerwäscher in der Mensa gearbeitet haben, U. Datan, E. Riethmüller und U. Schmidt, fristlos entlassen. Am Nachmittag fand im Audimax ein Teach-In mit etwa 700 Studenten und Studentinnen statt. Sie forderten den Vorstand des Studentenwerks auf, die drei Studenten unverzüglich wieder einzustellen und drohten andernfalls mit einer Diskussionsveranstaltung in der Mensa. [7] Die Aktion war erfolgreich und die drei Studenten wurden wiedereingestellt. Als Folge bildete sich eine Basisgruppe Studentenwerk, die als Ausgangspunkt für neue Diskussionen und Aktionen diente und sich für die Überführung des Studentenwerks in Studentenhände einsetzte.

ASTA und Studierendenschaft: keine Solidarisierung mit dem SDS und der Rektoratsbesetzung!

Der AStA distanzierte sich bereits am Tag der Rektoratsbesetzung klar von der gewählten Aktionsform. Einige Fachschaften sprachen sich ebenfalls entschieden gegen die Besetzung des Rektorats und „kriminelle Handlungen“ aus. Sie argumentierten, dass derartige Aktionen zur unsachlichen Verschärfung und Vergiftung der politischen Atmosphäre führten. [8] Am Donnerstagnachmittag, den 16. Januar, fand ein Teach-In im Audimax statt, um über die Rektoratsbesetzung zu diskutieren. Es kamen etwa 800 Studenten und Studentinnen. In einer Resolution sprach sich die Mehrheit der Studierenden gegen die „radikale“ Aktion aus. SDS und HSU versuchten mit einem Flugblatt die Besetzung des Rektorats zu rechtfertigen. Folgende Argumente und Gegenargumente der beiden Lager wurden vorgebracht: [9]

Ihr habt über die Aktion vorher nicht öffentlich diskutiert und Euch nicht der Solidarität der Studentenschaft versichert! Das war sehr undemokratisch!

AStA

Erinnert Ihr Euch nicht wie es bei der Rektoratswahl lief? Wir hätten mit Sicherheit vor einer Schutztruppe von Hausmeistern und Polizisten gestanden, wenn wir vorher öffentlich diskutiert hätten!

SDS

Habt ihr nicht daran gedacht, dass die fortschrittlichen und gutwilligen Professoren zu einer antistudentischen Haltung gezwungen würden? Durch derartige Ausfälle wird eine Hochschulreform verhindert!!

AStA

Naja, wir hofften durch Aktionen das Interesse der Studentenschaft an hochschulpolitischen Problemen zu wecken und sie zu einer inhaltlichen Diskussion aufzurütteln.

SDS

Meintet ihr Basisgruppen? Zur Organisation von Basisgruppen war das Aufbrechen von Türen und die Zerstörung von Einrichtungsgegenständen notwendig?

AStA

Wir haben bisher immer wieder ergebnislos versucht, durch Diskussionen die Mehrheit der Studenten aus ihrer Passivität herauszulocken.

SDS

Wenn diese Aktion ein Protest gegen Polizeieinsatz hätte sein sollen, hätte eine Rektoratsbesetzung direkt nach der Rektorwahl schon im Dezember stattfinden müssen! Ihr habt die letzte Reformchance zerstört!! „Zerschlagt die Universität“? Gerade einer funktionsunfähigen Universität wird sich der Staat viel eher bemächtigen und auf seine Weise dann „Ruhe und Ordnung“ stiften! Ist es das was Ihr wollt?

Von anderen Studierenden

Aber hat die Rektoratsbesetzung wirklich nur Kritik und Negatives hervorgerufen?

Es gab auch Studierenden, die die Aktion guthießen. So schrieb der Jurastudent Michael Maier in der Badischen Zeitung über die Rektoratsbesetzung:

„In der Aktion der Rektoratsbesetzung muss neben dem unbedingten Solidarisierungswillen noch ein weiteres gesehen werden: der symbolhafte Versuch, dem Rektor zu zeigen, wo sein Platz in der Universität ist, wen er repräsentiert und wem er verantwortlich ist. Da eine Mitbestimmung bei der Wahl des Rektors und die Öffentlichkeit der Wahl unter Mißachtung jeglicher Argumentation von seiten der Studenten nicht gewährt werden, sah man in den geschlossenen Türen des Rektorats ein Symbol für die Stellung des sich selbst isolierenden Rektors in der Universität – und zerbrach diese Türen.“ [10] Am Tag der Rektoratsbesetzung wurde nicht nur Krawall gemacht, sondern auch diskutiert, welche Möglichkeiten studentischer Politik es gibt, den Hochschulgesamtplan noch zu verhindern und wie die Befreiung der Universität vorangebracht werden kann. Es versammelten sich die schon bestehenden Basisgruppen (Jura, Physik, Politologie, Soziologie, Germanistik, Psychologie, Vorklinik, Anglistik) und neue Mitglieder stießen dazu. Neue Basisgruppen in Volkswirtschaft und den Naturwissenschaft entstanden. [11]

von Subin Nam

Quellen Rektorwahl
[1] Leffers,Jochen (17.05.2005) „Freiburger Besetzung und tschüß, Rektor, bis demnächst“, in: Spiegel; URL: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/freiburger-besetzung-und-tschuess-rektor-bis-demnaechst-a-356252.html, [letzter Aufruf: 15.09.2018].[2] Badische Zeitung, 15.01.1969, Mit Brecheisen die Türen geöffnet, Nr.11/ 24.Jahrgang, S.13.[3] UAF B2/460 Brief von Boesch an das Kulturministerium Baden-Württemberg vom 13.02.1969.[4] Klaus Reibisch, Rektoratsübergabe, in: Freiburger Studenten Zeitung (FSZ), Nr. 3, 18. Jahrgang, 22. April 1968[5] AfSB 5.6.1, „Ketzer-Prozess“, ohne Datum.[6] AfSB 5.6.1, „Ketzer-Prozess“, ohne Datum.[7] UAF B2/460 0610 Das Studentenwerk den Studenten, 17.01.1969.[8] UAF B2/460 0160 Forstliche Fachschaft: Resolution, 17.01.1969.[9] Teach-In über die Rektoratsbesetzung, in: Badische Zeitung, 17.01.1969, Nr.13, 24.Jahrgang, S.13; Uni-Presse, 24.01.1969, S.6.[10] Zur Erstürmung des Rektorats, in: Badische Zeitung, 23.01.1969, S.16.[11] Semesterüberblick, in: Freiburger Studenten Zeitung, Nr.3/19.Jahrgang, März 1969.

Schlagt die Germanistik tot! Macht die blaue Blume rot! [1]

Proteste und Forderungen am Deutschen Seminar im Sommersemester 1969

Veränderungen vor 1969

Sowohl inhaltliche, als auch methodische Modernisierungen wurden innerhalb der Germanistik, unter anderem am Deutschen Seminar in Freiburg, bereits vor Ende der 1960er diskutiert. Seminare mit bis zu 200 Studierenden waren Ende der 1950er keine Seltenheit mehr. Das Deutsche Seminar musste sich anpassen: Neben Vergrößerungen des Lehrkörpers und der Räume wurden erstmals Tutoren eingestellt.

Bereits ab 1956 boten die wissenschaftlichen Assistenten Habel und Herrmann erstmalig Einführungsseminare in das wissenschaftliche Arbeiten für Erstsemester an, eine Neuerung, die universitätsübergreifend umgesetzt wurde. Dennoch verlangsamten die etablierten Strukturen weitere Veränderungen.

Vorlesungsstörungen im Sommersemester 1969

„Die Ablehnung war so massiv, daß diese Lehrweise etwa in der Freiburger Neugermanistik mehrere Jahre lang weitgehend verschwand. Von ihren Verächtern wurde die Vorlesung als veraltete Vermittlungstechnik von Wissen und autoritäre, den Studenten den Mund verbietende Indoktrination dargestellt.“ [2]

Die ehemalige Germanistikstudentin und Mitglied der Basisgruppe Anglistik Eva Opitz über die Vorlesungsstörungen (Interview geführt am 27.06.2018).

Karl Müller, ehemaliges Mitglied des SDS und der Basisgruppe Germanistik über die Vorlesungsstörungen (Interview geführt am 12.07.2018).

Zwischen dem 10. und 20. Juni 1969 beeinträchtigten Mitglieder der Basisgruppe Germanistik – abgesehen von einer Ausnahme – alle Vorlesungen innerhalb der Germanistik. Dabei verkleideten sich die 20-25 Störenden als Erdgeister, führten Faustsketche auf, oder hielten den Zuhörerinnen und Zuhörern Spiegel vor, um den Vortrag der Dozenten zu unterbrechen. Die Anwesenden wurden dazu aufgefordert über den Sinn von Vorlesungen zu diskutieren. Diese sollten, nach Vorstellung der Störer und Störerinnen, nicht reformiert, sondern abgeschafft werden, da sie als unproduktive und autoritäre Form der Lehre wahrgenommen wurden.

Die Vorlesungsunterbrechungen erregten Aufsehen: Kurz nach den ersten Störungen wurde die Fachschaft abgewählt, die nicht nur zu großen Teilen aus Mitgliedern der Basisgruppe, sondern auch aus Vorlesungsstörenden bestand.

Die Wahl musste durch einen Hammelsprung entschieden werden: Mit 352 gegen 322 Stimmen wurde die „Gegenfachschaft“ [3] gewählt. Sowohl Dozenten als auch ein Großteil der Kommilitonen reagierten empört auf die Unterbrechungen, was sich neben der Abwahl der Fachschaft, in lautstarken Diskussionen mit den Störern und Störerinnen sowie im demonstrativen Verbrennen von Flugblättern der Basisgruppe äußerte.  Die Dozenten der Germanistik setzten die Vorlesungen zwar für den weiteren Verlauf des Semesters ab, führten den Vorlesungsbetrieb jedoch im darauffolgenden Semester regulär weiter. Die radikale Forderung, die Vorlesung durch produktivere Lehrformen zu ersetzen, die eine aktive Auseinandersetzung mit den Lehrinhalten erfordert, setzte sich nicht durch.

Veränderungen am Seminar

Eine Möglichkeit, sich für Veränderungen auf Institutsebene einzusetzen, war die Mitarbeit in einer Basisgruppe. Diese äußerte im Sommersemester 1969 zunehmend Kritik an ihrem Studienfach. Neben dem Vorwurf an die traditionelle Germanistik, dass diese „Prostitution […] im deutschen Faschismus“ [4] betrieben habe, wurden Lehrinhalte und Lehrformen in Frage gestellt. Gefordert wurden unter anderem neue Methoden um Literatur zu analysieren, Gruppenseminare, eine Erweiterung des behandelten Literaturkanons sowie inhaltliche Bezüge zum Beruf des Lehrers bzw. der Lehrerin.

Mitglieder der Basisgruppe verteilten nicht nur Flugblätter, sondern begannen auch in den Seminaren mit Dozenten, Kommilitoninnen und Kommilitonen über Inhalte und Methoden zu diskutieren. Ein erstes Seminar, das auf Anfrage von Studierenden zustande kam, wich bereits im Wintersemester 1968/69 vom gängigen Muster ab. In diesem legten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit dem Dozenten Thema, Methoden und Form des Seminars fest. Mit diesem ersten Versuch begann die Tradition der Gruppenseminare am Deutschen Seminar, die ab 1971 zu den sogenannten koordinierten Lehrveranstaltungen ausgebaut und bis Ende der 1970er angeboten wurden. Die Studierenden konnten erstmals ihre Umgestaltungsforderungen in alternativen Seminarformen umsetzen und ausprobieren.

Die Studierenden arbeiteten gemeinsam in einzelnen Gruppen an verschiedenen Themen, die sie im Plenum zur Diskussion stellen mussten. Die neue Form der Seminargestaltung sollte das hierarchische Verhältnis zwischen Dozenten und Studierenden abbauen und die Studierenden zur aktiven Auseinandersetzung mit den Inhalten führen. Die Forderungen und Ansprüche der Akteure und Akteurinnen waren verschieden. Gemeinsam war allen die Ablehnung der etablierten, als autoritär wahrgenommenen Strukturen am Seminar, die für die Studierenden weder Beteiligungen noch kritische Auseinandersetzungen ermöglichten.

Bärbel Gemmeke, ehemalige Studentin der Germanistik und Mitglied der Basisgruppe über Forderungen der Basisgruppe Germanistik (Interview geführt am 06.07.2018).

Hans Peter Herrmann als damaliger Dozent am Deutschen Seminar über erste Seminarexperimente (Interview geführt am 04.07.2018).

Hartmut Stenzel, ehemaliges Mitglied über die Basisgruppe Germanistik (Interview geführt am 07.07.2018).

von Franziska Henrich

Quellen Deutsches Seminar
[1] Basisgruppe-Fachschaft-Germanistik (1969), Institutspolitik Sommer 1969. dokumente, polemik, information, literarische politische analysen, demagie, manipulation, berichte, tatsachen, aufklärung, entschleierungen, lügen, Verallgemeinerungen: Unipolitik. o. O., 2.

[2] Kaiser, Gerhard (2000), Rede, dass ich dich sehe. Ein Germanist als Zeitzeuge. München, S.177.

[3] FSZ Nr.4, Mai 1969, o.V., Vollversammlung der Germanisten nach der Sprengung der Kaiservorlesung, S.5.

[4] ASB 2.5/ 5.4.6.1. Das Selbstverständnis der Germanistik, o.

Literaturverzeichnis für alle Beiträge

1. Archivalien

Archiv für Soziale Bewegungen (ASB)
ASB 2.5/ 5.4.6.1. Flugblätter der Basisgruppe, der KHG, des KSV, der ROTZEG, der Fachschaft und der gewerkschaftlich orientierten Liste von 1968 bis 1977.
ASB 5.2.1.1 I. Flugblätter und Diskussionspapiere des SDS Freiburg bis 1969.
ASB 5.3.4.1.I. Fahrpreisdemonstrationen 1968. Flugblätter/ Zeitungsartikel.
ASB 5.6.1. Zeitschriften, Offizielle Verlautbarungen und Flugblätter aus Heidelberg.

Staatsarchiv Freiburg (StA F)
StA F W134. Fotosammlung Willy Pragher.

Universitätsarchiv Freiburg (UAF)
UAF B2/39. Wahl des Rektors und Prorektors (1968-1972).
UAF B2/460. Studentische Unruhen, Protestmärsche, Kundgebungen (1969-30.6.1969).
UAF B47/259. AStA-Informationen für Studenten und Dozenten.
UAF B151/25. Studienausschuss.
UAF B151/28. Studienausschuss.

UAF D/56. Flugblätter und Schriften.

Universitätsarchiv Konstanz (UAK)
UAK NP. Nachlass Popitz.

Zeitungen und Zeitschriften
Badische Zeitung (20.12.1968); Professor Boesch wiedergewählt.
Badische Zeitung (21./22.12.1968); Belagerungszustand.
Badische Zeitung (15.01.1969); Mit Brecheisen die Türen geöffnet.
Badische Zeitung (17.01.1969); Teach-In über die Rektoratsbesetzung.
Badische Zeitung (23.01.1969); Zur Erstürmung des Rektorats.

FSZ 17,3 (1967), SDS, Stellungnahme des SDS Freiburg zum Hochschulgesetz.
FSZ, 18,2 (1968) o.V., Die Masse ist nicht machtlos. Protestaktionen gegen die Fahrpreiserhöhungen.
FSZ 18,3 (1968), Klaus Reibisch, Rektoratsübergabe.
FSZ 19,1 (1969), K. Theweleit, „bullen in der uni“.
FSZ 19,2 (1969), Klaus Theweleit, Rektoratsbesetzung.
FSZ 19,3 (1969), o.V., Semesterüberblick.
FSZ 19,4 (1969), o.V., Pyrrhussieg. Vollversammlung der Germanisten nach der Sprengung der Kaiservorlesung.

 

Anderweitige Quellen und zeitgenössische Literatur
Archiv Soziale Bewegungen & Stadtarchiv Freiburg (Hg.) 2003, Gleich wird’s grün. Freiburger Fahrpreiskämpfe 1968 (= Materialien zur Protestgeschichte 2), CD-ROM, Freiburg i. Br.
Basisgruppe-Fachschaft-Germanistik (1969), Institutspolitik Sommer 1969. dokumente, polemik, information, literarische politische analysen, demagie, manipulation, berichte, tatsachen, aufklärung, entschleierungen, lügen, Verallgemeinerungen: Unipolitik. o. O.
Boesch, Bruno (1970), Jahresbericht über die Rektoratszeit 1968-1970. Freiburg im Breisgau.
Kaiser, Gerhard (2000), Rede, dass ich dich sehe. Ein Germanist als Zeitzeuge. München.
Heidelberger SDS (1968), „Studenten machen den Tanz nicht mehr mit!“; in: Materialien zur Analyse von Opposition (MAO). Materialien zur Studentenbewegung und Hochschulpolitik in Heidelberg; URL: https://www.mao-projekt.de/BRD/BW/KAR/Heidelberg_004/Heidelberg_VDS_Universitaet_1968_02.shtml [letzter Aufruf: 15.09.2018].
Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS) (1965), Hochschule in der Demokratie. Denkschrift des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. Frankfurt a. M.

2. Sekundärliteratur
Barz, Olaf (2007), Expansion und Umbau. Hochschulreformen in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1964 und 1977, in: die hochschule 2, S. 154–170.
Berger, Michael (2010), Freiburg in Bewegung (1967-1987). BZ-Haus. Freiburg, 18.03.2010.
Bröckling, Ulrich/ Paletschek, Sylvia, „Hochschulreform und Studentenbewegung in Freiburg“, in: Günther Hörmann (Hg.), Filme zur Studentenbewegung 1967-1969. Booklet zur gleichnamigen DVD, S. 21-32.
Buchstein, Hubertus (2016), Typen moderner Demokratietheorien, Wiesbaden.
Buselmeier, Karin, Dietrich Harth, Christian Jansen (Hg.) 1985, Auch eine Geschichte der Universität Heidelberg, Mannheim.
Herrmann, Hans P. (2015), „Die Widersprüche waren die Hoffnung. Eine Geschichte der Reformen am Institut für Neuere deutsche Literaturgeschichte der Universität Freiburg im Breisgau 1956-1977“, in: Ders. (Hg.), Krisen. Arbeiten zur Universitätsgeschichte 1933-2010 am Beispiel Freiburg i.Br. Freiburg i.Br./Berlin/Wien, S.175-231.
Leffers, Jochen (17.05.2005)„Freiburger Besetzung und tschüß, Rektor, bis demnächst“, in: Spiegel; URL: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/freiburger-besetzung-und-tschuess-rektor-bis-demnaechst-a-356252.html, [letzter Aufruf: 15.09.2018].
Müller, Karl (1985), „Der Freiburger SDS und die Studentenbewegung 1968-72“, in: Christa Schweizer (Hg.), Stattbuch Freiburg Dreyeckland. Freiburg, S.26-38.
Nagel, Katja (2009), Die Provinz in Bewegung: Studentenunruhen in Heidelberg 1967 – 1973, Heidelberg.
Nolte, Paul (2012), Was ist Demokratie? München.
Offe, Claus (Hg.) 2003, Demokratisierung der Demokratie. Frankfurt a. M.
Pohlmann, Friedrich (2014), „Erinnerungen an Heinrich Popitz und das soziologische Institut”, in: Ulrich Bröckling, Magdalena Ciepluch, Gabriel Hugoniot, Johanna Kunz, Felix Metzger, Nikola Roth et al. (Hg.), Fünfzig Jahre Institut für Soziologie Freiburg. Freiburg i. Br., S. 118–137.
Rosenberg, Rainer (2000), „Die sechziger Jahre als Zäsur in der deutschen Literaturwissenschaft. Theoriegeschichtlich“, in: Ders., Inge Münz-Koenen, Petra Boden (Hg.), Der Geist der Unruhe. 1968 im Vergleich Wissenschaft – Literatur Medien. Berlin, S.153-179.
Ruprecht, Anne (2004), „Auf der Suche nach einer neuen Universität. Die Studentenbewegung in Freiburg 1967-1969“, Magisterarbeit. Freiburg, veröffentlicht in: Freiburger Studentenzeitung 1951 – 1972: Kommentierte digitale Gesamtausgabe (DVD).
Ruprecht, Anne (2007), „Die ‚studentische Revolte‘ von 1968 und ihre Folgen (III). Konfliktreiche Zeit: Die Studentenbewegung in Freiburg 1967-1969“, in: Bernd Martin (Hg.), 550 Jahre Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Bd. 3. Von der badischen Landesuniversität zur Hochschule des 21. Jahrhunderts. Freiburg, S. 674-695.
Schaab, Meinrad (Hg.), Klein, Michael (Red.) 2003, Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte, Band. 4. Die Länder seit 1918, Stuttgart.
Schöni, Hans (1995), Bruno Boesch 1911-1981. Eine kurze Darstellung von Leben und Werk. Seegräben.
Schöni, Hans (1998), Bruno Boesch und die Herausforderung der 68 Jahre. Seine Rektoratszeit an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. 1968-1970. Seegräben.
Sedlmaier, Alexander (2018), Konsum und Gewalt. Radikaler Protest in der Bundesrepublik, Berlin.
Siegfried, Detlef (2018): Protest, Revolte, Gegenkultur. Stuttgart.
Verzeichnis der Rektoren der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Überarbeitete Fassung der in den Freiburger Universitätsblättern 137 (1997) abgedruckten Version, Stand Mai 2010; URL: https://www.uniarchiv.uni-freiburg.de/unigeschichte/rektoren [letzter Aufruf: 16.06.2018].
Vilmar, Fritz (1973), Strategien der Demokratisierung. Band I: Theorie der Praxis. Darmstadt.

Eine Crossmedia-Produktion von Studierenden der Uni Freiburg in Zusammenarbeit mit der crossmedialen Ausbildungsredaktion uniCROSS am Medienzentrum der Universitätsbibliothek Freiburg.

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